AZ-Filmkritik "Zwischen zwei Leben"- Heute schon Puma gegessen?

Kate Winslet und Idris Elba. Foto: Fox

Mit Kate Winslet wird in "Zwischen zwei Leben" auch eine Katastrophe zur Romanze.

 

Die Situation hat doch einiges von einem gemütlichen Winterdinner zu zweit. Draußen ist es dunkel mit dicker Schneedecke. Drinnen prasselt ein kleines Feuer, darüber brutzeln Fleischstückchen. Ben (Idris Elba) gibt acht, dass sie schön durchbraten. „Iss langsam“, rät er der Journalistin Alex (Kate Winslet), „das muss gut verdaut werden.“ Zum Barbecue fehlen nur die leckeren Soßen. Das hängt damit zusammen, dass Ben und Alex in einem Flugzeugwrackteil in den Bergen hocken.

Das Fleisch stammt von einem Puma, den Alex in Notwehr erlegt hat. Chirurg Ben hat es sauber aus dem toten Tier heraus- und in mundgerechte Portionen zurechtgeschnippelt. Die Delikatesselässt die beiden näher zusammenrücken. Konsequent setzt „Zwischen zwei Leben“ das romantische Grundprogramm seines Überlebens-Abenteuers um: Jede Bedrohung wird zum Zugewinn an Zweisamkeit. Auch ohne hohes Niveau wird daraus ein kuscheliger Film zum Fest der Liebe.

Wegen eines herannahenden Sturms dürfen die Linienmaschinen nicht starten. Auf dem Flughafen kommen Alex und Ben ins Gespräch, weil beide möglichst rasch weiterreisen wollen: Sie zu ihrer Hochzeit, er zu einer schwierigen Operation. Auf ihren Vorschlag hin chartern sie für sich beide eine kleine Propellermaschine. Jedoch erleidet der Pilot (Beau Bridges) eine Herzattacke und verliert die Kontrolle.

Sie stürzen auf ein verschneites Bergplateau ab. Ben überlebt mit angebrochenen Rippen, Alex mit verletztem Bein und ist zunächst bewusstlos. Wer grimmiges Ringen mit Mensch und Natur à la „The Revenant“ erwartet, irrt sich. Wie in „Titanic“ ergibt Kate Winslet plus Desaster eine Romanze, die sich in physischen Prüfungen bewähren muss.

Der unfreiwillige Naturtrip dient dabei als Allegorie, als durchgängige Bebilderung der Reize, Mühseligkeiten und Störungsanfälligkeiten von Beziehungsaufbau und -pflege. Fast alle Äußerungen der Figuren passen in dieses Register - von „Wie sehe ich aus?“ relativ kurz nach dem Absturz bis „Kaum bin ich kurz draußen, schon schnüffelst du in meinen Sachen“. Aber weil der Film die Sorgen von Menschen anspricht, die sich kennenlernen und Vertrauen aufbauen wollen, ist unter der Regie von Hany Abu-Asad ein brauchbares Dating-Movie entstanden.


Kino: Leopold, Mathäser, Museum Lichtspiele, Royal; Regie: Hany Abu-Asad (USA, 112 Min)

 

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