AZ-Filmkritik "Zu guter Letzt": Frau Freundlich

Shirley MacLaine legt auf, der Zuschauer tanzt. Foto: Tobisfilm

Shirley McLaine spielt in "Zu guter Letzt" eine Frau, die sich einen guten Nachruf erarbeitet.

 

"Habe ich gerade meinen Job an eine Hundertjährige verloren?", stöhnt die junge Radiomoderatorin in der Komödie "Zu guter Letzt" von Mark Pellington. Tja, das kann schon passieren, wenn besagte Oma eine unglaubliche Strahlkraft hat, da sie von Shirley MacLaine verkörpert wird. Zudem spielt die rebellische Schauspielerin eine interessante Frauenfigur, der eigentlich noch wesentlich mehr Potenzial innewohnt, als ihr das Wohlfühl-Drehbuchin zugestanden hat.

Nach einem womöglich unfreiwilligen Selbstmordversuch wird der 80-jährigen Harriet (Shirley MacLaine) plötzlich klar, dass sie sich vor ihrem Ableben noch um einen glorreichen Nekrolog auf sich kümmern müsste. Gedacht, getan, setzt die vermögende Lady bei ihrem ehemaligen Kunden, der "Bristol Gazette", durch, dass deren für die Nachrufe zuständige Autorin Anne Sherman (Amanda Seyfried) auch ihren verfassen muss.

Schon bald stößt die junge Journalistin bei ihrer Recherche auf heftige Reaktionen: Niemand will auch nur ein gutes Wort über den exzentrischen, alten Drachen verlieren. Rasch analysiert Harriet die Lage. Vier Dinge machen ihrer Meinung nach einen guten Nachruf aus: eine von Herzen trauernde Familie, (Ex)-Kollegen, die einen bewundern, sowie ein benachteiligter Mensch, dem man geholfen hat.

Und etwas, das einen besonders macht. So macht sie sich daran, öffentlich als Menschenfreund aufzutreten. Sie besucht ein rebellisches Kind im Heim, spricht sich mit ihrem Mann und ihrer Tochter aus und legt am Ende schrill aufgetakelt in einer alternativen Radiostation ihre alten Vinylplatten auf. Da bekommt der Film eine Retroenergie, die den Zuschauer zu guter Letzt beschwingt aus dem Kino lässt.


Kino: Cinemaxx, City, Gloria, Solln, Leopold, Mathäser, Museum (OV), Isabella (OmU)

R: M. Pellington (USA, 108 Min.)

 

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