AZ-Filmkritik "Willkommen im Hotel Mama": Mit 66 Jahren...

Jacqueline (re.: Josiane Balasko) genießt ihr komfortables Leben als Witwe in einer beschaulichen Provinzstadt, bis ihre 40-jährige Tochter Stéphanie (Alexandra Lamy) plötzlich bankrott und als Single auftaucht und sich einquartiert. Foto: Alamode

Die französische Generationen-Kömdie "Willkommen im Hotel Mama".

 

Bequem bei Muttern wohnen und sich verwöhnen lassen, ein Trend bei vielen unter 30-Jährigen, bevor sie heiraten und selbst Nestbau betreiben. Etwas anders sieht es aber bei Stéphanie (Alexandra Lamy) aus. Die bisher erfolgreiche Architektin gehört urplötzlich zur „Generation Bumerang“, die aus Geldsorgen wieder aufs heimische Sofa zurückkehrt, als die Insolvenz eines Großkunden ihre Firma in den Ruin treibt.

Die Ehe der 40-Jährigen ist gescheitert, Job und Wohnung, flotter roter Flitzer und Luxus weg. Und den Sohn sieht sie auch nur einmal in der Woche.

Mutter Jacqueline nimmt sie zwar mit offenen Armen auf, nervt aber ganz gewaltig mit guten Ratschlägen, 6-Uhr-Wecken, überhitzten Zimmern und Scrabbel-Runden.

Die jüngere Generation ist jetzt konservativer als ihre Eltern

Auch sonst läuft nicht alles rund. Die fröhliche Witwe kann unter den Argusaugen der Tochter nicht mehr unbeschwert ihren Liebhaber einen Stock höher besuchen und muss sich immer neue Erklärungen einfallen lassen, wenn sie mit dem Aufzug nach oben statt nach unten fährt, nachts „Spaziergänge“ macht oder sich zum „Einkaufen“ in schicke Klamotten und Make-up auflegt.

Da denkt die Tochter an Demenz statt an späte Liebe. Bei einem Familienessen will Madame den drei erwachsenen Kindern reinen Wein einschenken und das Objekt ihrer Begierde vorstellen. Daraus wird nichts, das Geschwistertrio streitet sich wie die Kesselflicker.

Eric Lavaines boulevardeske Komödie im beschaulichen Aix en Provence gibt sich unterhaltsam, wenn auch nicht besonders fein gestrickt, balanciert scharf am Klamauk vorbei und die bemühte Wendung zum Dramatischen gelingt nur bedingt und das gefällige Ende in bester Schampus-Laune ist ob der übertriebenen Harmonie nur ärgerlich.

Aber wie sich Mutter und Tochter Not gedrungen arrangieren, die verschiedenen Lebensstile aufeinanderprallen, Lebenslust der Älteren auf Lebensfrust der Jüngeren, das lässt jede Menge Komikpotenzial aufleuchten, auch wenn bei dieser routinierten Inszenierung, die keinem weh tun will, Überraschungen ausbleiben.

Die Stärke des Feel-Good-Movies mit Tücken liegt in der Überzeugungskraft von Josiane Balasko, die cool ihre konservativen Kinder austrickst, sich das Recht auf ein eigenes Leben nimmt und bei diesem munteren Generationenkonflikt die Mischpoke alt aussehen lässt.


Kino: Isabella, Eldorado, Monopol, City, Theatiner (OmU) R: Eric Lavaine (F, 91 Min.)

Zum Filmstart verlosen wir 6 Frankreich-Pakete mit je einem „Visuellen Wörterbuch Französisch-Deutsch“, dazu gehört auch eine Audio-App, die jedes Wort vorspricht (DK Verlag, 392 Seiten, 1 600 Fotos und Illustrationen. Dazu kommt je ein Reiseführer „Vis-à-Vis Frankreich“ (672 Seiten, 2 000 Fotos, 3-D-Zeichnungen und Grundrisse) Wer gewinnen will, schreibt eine Postkarte: Abendzeitung Kultur, Garmischer Str. 35, 81373 München (Stichwort: „Hotel Mama“)

 

0 Kommentare