AZ-Filmkritik „Willkommen bei den Hartmanns“: Willkommen, Du lustige Komödie

Diallo (Eric Kabongo) durchschaut schnell, was bei den Hartmanns so alles schief läuft. Von hinten zu sehen: Senta Berger als Angelika und Heiner Lauterbach als Richard. Foto: Warner

Simon Verhoeven zeigt in dem hinreißenden „Willkommen bei den Hartmanns“, wie man ein ernstes Thema mit leichter Hand inszeniert.

Die Flüchtlingskrise reißt die berentete Schuldirektorin Angelika Hartmann (Senta Berger) aus ihrer weinselig eingepegelten Lebensleere. Sehr zum Unwillen ihres Mannes Richard (Heiner Lauterbach) beschließt sie, einen Flüchtling in der Vorstadtvilla aufzunehmen. Ihr Vorschlag stellt die Beziehung zum cholerischen Chefarzt auf eine Belastungsprobe, denn dieser ist gerade auf einem ganz anderen Trip. Er lässt sich von seinem alten Kumpel, dem Schönheitschirurgen Sascha (Uwe Ochsenknecht), das Gesicht glätten, nimmt mit viel zu jungen Frauen in der Disco den Kampf gegen das Alter auf und eröffnet einen Facebook-Account.

Auch die Kinder der Hartmanns haben ihr seelisches Gleichgewicht verloren: Der Workoholic Philip (Florian David Fitz) hat nach einer gescheiterten Ehe keine Zeit für seinen Sohn und Sophie hat zwar die 30 überschritten, aber auch im dritten Studium noch nicht die Erfüllung gefunden.

Unverstellter Blick auf eine gespaltene Wohlstandsfamilie

„Warum du keine Kinder? Du sehr alt“, wird sie Diallo (Eric Kabongo), das neue Familienmitglied aus Nigeria, fragen. Sein unverstellter Blick auf die gespaltene Wohlstandsfamilie bringt die Hartmanns immer wieder in Erklärungsnot.

Simon Verhoeven, der auch das Drehbuch schrieb, würzt seine temporeiche und bis in die Nebenrollen fantastisch besetzte Komödie mit angenehmer Schärfe. Selten hat man so witzige Dialoge in einem deutschen Film gehört. Dabei werden alle Seiten aufs Korn genommen: Helfer, Nazis, Flüchtlinge. Verhoevens Film verzichtet weitgehend auf moralische Wertungen und setzt auf eine Leichtigkeit, die in weiten Teilen der politischen Auseinandersetzung schon lange verloren gegangen ist.

Komödie heißt, die Menschen ernst zu nehmen, lautet Verhoevens Credo. Daher gibt es neben Satire und einigem Klamauk auch viele leise, emotional tiefgehende Momente im schrillen Geschehen. Und gerade weil die Hartmanns eher für ein reiches München als für das ganze Land Pate stehen, entsteht so ein Film, der in seinen besten Momenten durchaus an Helmut Dietls Münchner Gesellschaftsporträts erinnert.


Regie: Simon Verhoeven (D, 116 M.)

Kinos: Arri, Cadillac, CinemaxX, Sendlinger Tor, Gabriel, Gloria, Solln, Mathäser, Münchner Freiheit, Neues Rex, Rio

 

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