AZ-Filmkritik Wildes Herz: Charly Hübners Punk-Mission

Feine Sahne Fischfilet heißt die Band von Jan Monchi Grokow (Mitte), der in der Provinz dem rechten Gedankengut von Links her kräftig einheizt. Foto: Neue Visionen

"Wildes Herz" ist ein musikalischer Dokumentarfilm über das Lebensgefühl in Mecklenburg-Vorpommern.

 

Bei "Feine Sahne Fischfilet" geht es nicht um die Bestellung in einer Fisch-Restaurantkette, sondern um eine Punkband in Mecklenburg-Vorpommern und ihren Leadsänger Jan "Monchi" Gorkow: kein Typ in cooler Ledermontur, sondern ein moppeliger Kerl im legeren Freizeit-Look ohne Künstler-Attitude.

Dem heute 30-Jährigen traute man in der Schule nicht viel zu und schon mal gar keine musikalische Begabung, was Lehrerin und Pfarrer bekräftigen. Der Fan von Hansa Rostock landete auch schon mal als Ultra mit Randale und Stadionverbot hinter Schloss und Riegel, bevor er die Kurve kriegte.

Die Band stemmt sich lauthals gegen den Rechtsruck in der Provinz 

Inzwischen heizt er mit seiner Band deutschlandweit das Publikum an, singt und kämpft gegen Neo-Nazis, die ihm schon mal mit der Axt aufs Auto hauen oder Aufkleber mit seinem aufgespaltenen Schädel verteilen. Der Schauspieler Charly Hübner, selbst aus dem Süden Mecklenburgs stammend, zeichnet in seinem Regiedebüt den Zickzackweg eines jungen Mannes mit großer Klappe und einem wilden und weitem Herzen. Der liebt seine Heimat und Familie liebt, hat nichts mit dem hippen Berlin am Hut, sondern bleibt seiner Region treu. Er verteidigt seine politische Position und zeigt dem misstrauischen Verfassungsschutz den Mittelfinger.

"Monchi" gehört zu den um den Mauerfall herum Geborenen, die in einer Zeit des Umbruchs, der Arbeitslosigkeit und Wertewandels aufwuchsen. Er ist einer der wenigen, die sich lauthals gegen den Rechtsruck in der Provinz stemmen und nicht wegducken. Er beweist unsicheren Jugendlichen, dass es nicht nur Hass und Fremdenfeindlichkeit gibt, sondern auch Solidarität und Toleranz. Dass der Ton bei der politischen Botschaft manchmal rau und direkt ist, kommt bei den Konzertbesuchern an. "Gehen oder bleiben" heißt ein Hit und packt das Thema Landflucht an und ist Programm gegen Perspektivlosigkeit und Lethargie. Die Band und ihr Frontmann tun was, sind gnadenlos ehrlich, leicht verspielt, manchmal naiv. Das macht sie sympathisch.


Kino: Monopol R&B: Charly Hübner, Sebastian Schultz (D, 94 Min.)

 

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