AZ-Filmkritik "Where to Invade Next": Ein-Mann-Armee im Anmarsch

Michael Moore reist durch Europa - und schnappt sich Ideen. Foto: Falcom

Michael Moore reist in „Where to Invade Next“ durch Europa und findet einiges, wovon die USA lernen könnten.

Diesmal ist Michael Moore in besonderer Mission unterwegs: Er zeigt seiner Nation „Where to Invade Next“. Dabei will er aus der Vergangenheit der USA lernen und das Vorgehen modifizieren. Kein Blutvergießen, kein Kampf ums Öl, stattdessen marschiert er als Ein-Mann-„Armee“ in europäische Länder ein und nimmt mit dem Einverständnis der Einheimischen Ideen mit, die die Amerikaner seiner Meinung nach wirklich gut in ihrer Gesellschaft brauchen können.

 

Wasser anstatt Cola und echtes Mittagessen

Über den Koloss mit Käppi staunen nicht nur die französischen Schüler, an deren Kindertisch er Platz nimmt, um zu beobachten, wie sie ein mehrgängiges Mittagessen mit Jakobsmuscheln und gereiftem Käse genießen. Dazu trinken sie auch noch Wasser und beäugen die von ihm mitgebrachte Cola misstrauisch. In Italien erfährt Moore von zweistündigen Mittagspausen, bei denen das selbstgekochte Essen zu Hause eingenommen wird, und dass es einen Anspruch auf acht Wochen bezahlten Urlaub gibt.

Und in Finnland führt zu seinem Erstaunen weniger Unterricht und der Verzicht auf Hausaufgaben zu den besten Resultaten weltweit.

Auch Deutschland kommt vor: mit seiner berühmten Mittelschicht, deren Mitglieder tatsächlich von nur einem Job leben können, und Müttern, die gegen Stress dreiwöchige Kuren vom Arzt verschrieben bekommen. Selbst im Umgang mit dem düstersten Kapitel deutscher Geschichte kann Moore noch etwas Positives finden. Deutschland stellt sich offen und aktiv seiner Schuld in der Vergangenheit.

Ob in Portugal, Island oder Slowenien – eigentlich geht es Moore immer um die Schwachstellen der USA. Den Vorwurf der Blauäugigkeit, schließlich läuft in Europa auch nicht alles überall rund, entkräftet der Filmemacher mit dem Hinweis, dass er nur die Blüten pflücken wolle, nicht das Unkraut jäten. Und damit ist Moore ein herrlicher, lustiger und optimistischer Film gelungen.


Kino: Atelier, Monopol, B&R: Michael Moore (USA, 110 Minuten)

 

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