AZ-Filmkritik "Venom": Das böse Alien in mir

Verlobt: Michelle Williams und Tom Hardy in "Venom" Foto: Sony Pictures

Eine misslungene Marvel-Verfilmung: "Venom" mit Tom Hardy als Verwandlungs-Alien.

 

Ob vor 30 Jahren Marvel-Comics-Macher das Verhalten von falschen Clownfischen und Seeanemonen näher studiert haben? Es ist verblüffend, dass eine ihrer Figuren genau nach dem biologischen Prinzip der Symbiose, dem vorteilhaften Zusammenleben zweier Arten, funktioniert.

Venom heißt dieses Superhelden-Scheusal: ein anfangs gallertartiges, an einen Tintenkleks erinnerndes Monster, das auf der Erde lebensunfähig ist – es sei denn, es findet den passenden menschlichen Wirt. Dann verwandelt es sich in einen Formwandler mit Fangzähnen und Klebe-Zunge. Der Reiz dieser Comic-Version à la Dr. Jekyll & Mr. Hyde lässt sich in der Version von Ruben Fleischer nur noch erahnen.

Hohles Oberflächenkino mit erstklassiger Besetzung

Wie schon bei seinem "Gangster Squad" setzt der Regisseur auf schnelle Schnitte und schicke Bilder: hohles Oberflächenkino, das seiner erstklassigen Besetzung nicht gerecht wird. In der ersten Hälfte gelingt es immerhin Tom Hardy, der holzschnittartigen Horror-Figur Leben einzuhauchen. Ein fahriger, selbstgefälliger TV-Enthüllungsjournalist ist dieser Eddie Brock, einer, der zu seinen Interviewterminen am Rande der Gesellschaft mit dem Motorrad braust, aber immerhin auch keine Angst hat, mit frechen Fragen anzuecken.

So wie bei Dr. Drake (Riz Ahmed), einem Aufschneider. Mit seiner Life Foundation residiert der Unternehmer in einem Glaspalast nahe der Golden Gate Bridge und plant die privatisierte Raumfahrt. Was die Außenwelt nicht weiß: Drake war beim Einsammeln von außerirdischen Lebensformen bereits erfolgreich und probt illegal die Alien-Symbiose mit hilflosen Obdachlosen als Probanden. Als ihm Eddie – nach zu unbequemen Fragen verliert er Job und Verlobte (Michelle Williams) – auf die Schliche kommt, infiziert der sich mit einem Alien-Ableger.

Dümmliches Wer-hat-das-Sagen-Spiel

Nun hätte man den faustischen Pakt – der gefräßige Außerirdische Venom möchte nicht nur Besitz von Eddie ergreifen, sondern Eddie unter Bedingungen auch helfen – gewitzt-ironisch inszenieren können. Aber Fleischer belässt es beim dümmlichen Wer-hat-das-Sagen-Spiel der Symbionten. Im Schlussdrittel töten dann ewige Prügeleien den letzten Witz. Es wirkt so, als wäre Fleischer für seine eigene "Venom"-Verfilmung ein schrecklicher Parasit gewesen. 


Kino: Royal und Cinemaxx (auch 3D), Mathäser (auch OV & 3D), Cadillac (auch OV), Cinema (OV, auch 3D), Museum (OV), R: Ruben Fleischer (USA, 112 Min.)

 

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