AZ-Filmkritik Unsere kleine Schwester: Zuhause ist, wo man geliebt wird

Happy New Year! Vier (Halb-)Schwestern feiern zusammen. Foto: Pandora

Hirokazu Kore-Edas rührendes Meisterwerk: „Unsere kleine Schwester“ erzählt von drei Schwestern, die nach dem Tod des Vaters ihre kleine Halbschwester Suzu kennen lernen und bei sich aufnehmen. Rührende Familiengeschichte.

 

Ruhige Atmosphäre, sanfter Humor, tiefe Emotionen: Hirokazu Kore-Edas poetische und anrührende Familiengeschichte ist Balsam auf gestresste Seelen, ein Ausflug in japanische und buddhistische Kultur.

In der Nähe von Tokio am Meer wohnen die drei Koda-Schwestern, alle in den 20ern. Ihr Haus hat schon bessere Zeiten gesehen, bedeutet ihnen aber Heimat. Quasi die Mutterrolle übernimmt die Älteste, eine Krankenschwester und lustlos mit einem verheirateten Arzt liiert.

Mehr aus Pflichtgefühl denn aus Trauer fährt das Trio zur Beerdigung des Vaters, der vor 15 Jahren Frau und Kinder wegen einer Anderen verließ. Dort lernen die jungen Frauen ihre Halbschwester kennen, die 13-jährige schüchterne Suzu, und bieten ihr an, doch zu ihnen zu ziehen.

Im Wechselbad der Gefühle

Für die Vier beginnt ein neuer Lebensabschnitt, der für jede Überraschungen birgt, Enttäuschung und Hoffnung. Vieles wird nicht gesagt, einiges nur angedeutet. Wirklich dramatische Ereignisse fehlen, der Alltag hat alle fest im Griff, der ursprüngliche Titel des Mangas „Tagebuch einer kleinen Küstenstadt“ gibt die Richtung vor. Aber nie wird es langweilig, ob Mutter und Tochter sich nach lang dauernder Distanz annähern, die Schwestern sich zoffen und versöhnen, beim Essen gelacht und geweint wird oder Erinnerungen an die Vergangenheit hochkommen.

Neben der Geschichte der Hauptfiguren erzählt das zart gesponnene, fast lyrisch anmutende Werk auch die Geschichten des Vaters, der Mutter, Großmutter und Großtante, das Schicksal von Nachbarn und verweist auf das selbstverständliche Nebeneinander von Tod und Leben.

Spektakulär sind die farbenprächtigen Bilder im Rhythmus der Jahreszeiten, vor allem die berühmte Kirschblüte, die zum Aufbruch beflügelt. Dem japanischen Regisseur gelingt ein zurückhaltend inszeniertes und von Menschlichkeit geprägtes Kinowunder über das kleine Glück und große Gefühle, über Identitätssuche und Entscheidungsfindung und über die Kraft, als unkonventionelle Familie zu überleben, und sei es nur auf Zeit.

 

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