AZ-Filmkritik "Überflieger – Kleine Vögel, großes Geklapper": Spatzenwelt

Die Tauben sind online und helfen der Eule und Spatz Richard. Foto: WBG

Der Animationsfilm "Überflieger – Kleine Vögel, großes Geklapper".

Was lässt uns mit beiden Beinen sicher im Leben stehen? Eine Kindheit mit reichen Erfahrungen und liebenden und leitenden Menschen um uns. So wächst auch der kleine Richard auf, unser Held in "Überflieger – Kleine Vögel, großes Geklapper".

Ein Sommer voller Faxen mit Max, seinem Storchenbruder, geht ins Land, von der liebvollen Mutter und einem offiziersstrengen Vater überwacht. Bis es Herbst wird. Im Storchenclan bricht Unruhe aus. Jetzt müssen die Eltern Richard mit der Wahrheit konfrontieren: Er ist gar kein Storch. Als Küken haben die Storcheneltern das Waisenkind aus einem ausgeräuberten Spatzennest gerettet. Und weil Störche als Zugvögel jetzt zu einem weiten Flug nach Afrika aufbrechen, werden sie Richard zurücklassen müssen, der die anstrengende Reise nicht überstehen würde.

Für ihn bricht eine Welt zusammen. Seine Liebsten haben ihn über seine wahre Identität angelogen und lassen ihn im Stich. Eine fundamentale Krise, der Richard mit bockig-kindlicher Entschlossenheit begegnet: er wird seiner Storchenfamilie beweisen, dass er einer von ihnen ist! Und er versucht ihnen nach Gibraltar zu folgen.

Wo genau ist Süden?

Doch schon bei der ersten Entscheidung – wo genau ist Süden? – kommt der Spatz ins Schleudern. So gesellen sich zum Spatz bald Gleichgesinnte: die zu große Zwergeule Olga (wunderbar kratzbürstig gesprochen von Nicolette Krebitz) mit ihrem nur eingebildeten Freund Oleg. Und ein durchgeknallter Karaoke-Wellensittich Kiki macht mit. Von Nutzen für die Reiseroute sind auch die witzig twitternden Tauben, die Oberleitungskabel online den Weg weisen.

Autor und Koregisseur Reza Memari führt eine Truppe von Freaks und Außenseitern zu einem Freundesteam zusammen. Spannend, aber für eine junge Zielgruppe ab vier Jahren nicht zu actionlastig, aber slapstickhaftem Bild- und subtilem Wortwitz inszeniert er einen irrwitzigen Roadtrip, der aber auch bereichernde melancholische Momente hat. Am Ende erkennen alle, dass sich Familie nicht allein über das eigene Nest definiert, sondern über Liebe und Anerkennung.


Kino: Cinemaxx, Solln, Mathäser, Royal und Museum (engl.)

R: Tobi Genkel, Reza Memari (D/B/Lux/NL, 84 Min.)

 

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