AZ-Filmkritik "Tschiller: Off Duty": Mit 007 am Tatort

Til Schweiger empfiehlt sich als nächster James Bond – hier noch als Kommissar Nick Tschiller. Foto: Warner

Til Schweigers „Tschiller: Off Duty“: Mit dem TV-„Tatort“ hat der Actionkrimi wenig gemein.

 

Kein klassischer Vorspann mit Doldinger-Musik. Uns empfangen moderne, unruhige Beats. Denn Kommissar Nick Tschiller (Til Schweiger) soll einfach nicht zur Ruhe kommen. Nach der Ermordung seiner Ex-Frau ist nun auch Tochter Lenny (Luna Schweiger) spurlos verschwunden.

Die junge Dame ist auf eigene Faust aufgebrochen, den Tod ihrer Mutter zu rächen. Aber obwohl Lenny ihr Vorhaben raffiniert geplant hat, gerät sie in Istanbul in die Fänge einer kriminellen Bande. Tschiller begibt sich sofort auf die Suche, begleitet von seinem Freund und Kollegen Yalcin Gümer (Fahri Yardim). Istanbul ist erst das erste Ziel der Hatz durch eine Welt, in der auch das Verbrechen globalisiert ist.

Er hechtet sich über Häuserschluchten, stürzt sich in Zweikämpfe und kommt mit einem Mähdrescher auf dem Roten Platz in Moskau an. Nicht zum ersten Fall findet der „Tatort“ den Weg ins Kino. Vor rund 30 Jahren war mit Schimanski (Götz George) schon ein unkonventioneller Kommissar vor ein Publikum getreten, dass seine Gebühren für „Zahn um Zahn“ nicht zähneknirschend zwangsweise, sondern freiwillig an der Kinokasse zahlte.

Mit „Zabou“ folgte wenig später ein zweiter, weniger erfolgreicher Kino-„Tatort“. Und jetzt also „Tschiller: Off Duty“ – kein „Tatort“, sondern ein Action-Thriller. Christian Alvart ist ein deutscher Filmemacher, der schon mit den Horror-Thriller „Fall 39“ mit Renée Zellweger und den Science Fiction „Pandorum“ mit Dennis Quaid drehte. Mit diesem Kino-„Tatort“ scheint der Hesse seine Bewerbung für die nächste „James Bond“-Regie abzugeben.

Allerdings mit einem Budget von neun Millionen Euro, das der Portokasse eines 007-Abenteuers entspricht. Die Kunst dabei: Die Actionsequenzen stehen Hollywood in nichts nach. Und weil die Jagd global wird, ist jeder Vergleich mit der Provinz-Spannung der TV-„Tatorte“ hinfällig.

Man kann Til Schweiger mögen oder auch nicht. Aber es bleibt schwer vorstellbar, dass ein anderer deutscher Kollege dieses Szenario überzeugend schultern könnte. Und Fahri Yardim ist als Begleiter für den Humor zuständig, der mit richtigem Timing Pointe um Pointe liefert.

Bis wieder scharf geschossen wird. Dieser Film einer der gelungenen deutschen Beiträge zum Actiongenre mit all seinen unterhaltsamen Stärken und inhaltlichen Schwächen, auch wenn mancher scheinbar flapsige Kommentar sogar ein keines Stück Gesellschaftskritik wagt. 


Kino: Cadillac, Cinemaxx, Leopold, Gloria, Mathäser R: Christian Alvart (D, 135 Min.)

 

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