AZ-Filmkritik "Suicide Squad": Die wollen doch nur spielen

Scharfschütze Deadshot (Will Smith) und die leicht verrückte Harley Quinn (Margot Robbie). Foto: Warner

Trotz prominenter und talentierter Besetzung kann "Suicide Squad" leider nicht überzeugen. Der Film ist uncharmant und dabei nicht spannend. Auch schade, dass es nicht einmal Jared Leto als Joker schafft gebührend in die Fußstapfen von Jack Nicholson und Heath Ledger zu treten.

 

Ob für eine Handvoll Dollar oder ein paar Dollar mehr: Den Antihelden des Italo-Westerns war bei ihren wilden Abenteuern jede Beute recht. Leichen pflasterten bei diesen wortkargen Pistoleros garantiert den Weg – gerettet wurde dann aber doch eine Unschuldige, ein Außenseiter, kurz, jemand, dem es noch schlechter ging als allen anderen. Der Faszination dieser Djangos kann man sich auch heute, über 40 Jahre später, kaum entziehen.

Und da scheint es ein kluger Schachzug, solche glorreichen Halunken auch in einer Comic-Verfilmung auftreten zu lassen. David Ayer schien für diesen dreckigen Regie-Job der richtige Mann. Denn mit seinem Drehbuch zum Cop-Drama „Training Day“ gelangen ihm bereits spannende, zwielichtige Figuren, die mehr schlecht als recht als Gesetzeshüter auftraten. Nur sind überzeichnete DC-Comic-Figuren keine abgebrühten Straßenpolizisten, beißt sich der realistisch-grimmige Tonfall eines ambivalenten Thrillers schnell mit dem eines Cartoon-Blockbusters. Vielleicht liegt auch in der Verpflichtung von Ayer der Hund begraben, warum „Suicide Squad“ so eine maßlose Enttäuschung ist.

Leider maßlose Enttäuschung

Die Idee, von Regierungsseite ein halbes Dutzend Superschurken zu aktivieren, um damit einen übermächtigen Feind auszuschalten, hat durchaus was für sich. Denn in „Suicide Squad“ gibt es endlich mal keinen Superman mit Supercape und (langweiligen) Superkräften. Hier hat man es mit dem zynischen Scharfschützen Deadshot (Will Smith), der irrlichternden Ex-Psychiaterin Harley Quinn (Margot Robbie) oder dem reptilienartigen Killer Croc (Adewale Akinnuoye-Agbaje) zu tun. Eine wahrlich bunte Truppe, gedrillt von der eiskalten Regierungsbeamtin Amanda Waller (Viola Davis) und beaufsichtigt vom tumben Militär Rick Flag (Joel Kinnaman).

Damit die schweren Jungs nicht gleich selber wieder die Straßen unsicher machen, wurden ihnen Mini-Sprengsätze in die Hälse implantiert. Sicher ist sicher. Warum es trotz prominenter und spielfreudiger Darsteller anders als in „Deadpool“ leider keinen Spaß macht, diesen Gesetzlosen bei ihrem Treiben zuzusehen, hat mehrere Gründe.

Jared Leto als Joker hat nur ein paar Miniauftritte

Unerklärlich wirkt vor allem, warum Ayer nach einer ewig dauernden Vorstellungsrunde seinen eigenen bösen Buben die filmische Daseinsberechtigung raubt. Innerhalb von Minuten verwandeln sich diese Killer in nicht unsympathische Söldner, die Gemeinschaftsgeist entwickeln und brav von ihrer verkorksten Vergangenheit erzählen. Frei nach dem Motto: Die sind doch nicht gefährlich, die wollen nur spielen.

Ein Totalausfall ist auch der Bösewicht: Die entfernt an eine durchgeknallte Inka erinnernde Hexe Enchantress ergreift Besitz von einer Archäologin (Model Cara Delevingne). Doch die darf bald nur Lichtblitze absondern, zischen und zwischendurch ein bisschen Ausdruckstanz machen. Gefährlich sieht anders aus.

Zu guter Letzt ist neben der austauschbaren Häuserkampf-Action auch die Hauptattraktion ein schlechter Witz. Der Joker, einst von Jack Nicholson und Heath Ledger so brillant-dämonisch verkörpert, legt nur ein paar Miniauftritte hin, wirkt wie für den Verkauf von Kinotickets in die Handlung integriert. Und vom kreativen Wahnsinn dieses Clowns ist in Jared Letos überkandidelter Verkörperung nichts zu spüren. Dann lieber einen Italowestern mit wirklich lässigen Antihelden.


Kino: Gabriel, Gloria, Cinemaxx sowie Royal (3D), Museum (OV), Mathäser und Cinema (OV, 3D) R: David Ayer (USA, 123 Min.)

 

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