AZ-Filmkritik Schönheit der Altersweisheit

Auf der Parkbank des Lebens: Michael Caine (li.) und Harvey Keitel betrachten die „Ewige Jugend“ in Form von Miss Universe (re.). Foto: Gianni Fiorito / Wild Bunch

Er ist italienischer Tausendsassa („Il Divo“) und Oscar-König („La grande Bellezza“): So hat Paolo Sorrentino zwei alte Hasen für „Ewige Jugend“ gewonnen: Michael Caine (hier Komponist und Dirigent) und Harvey Keitel (als Filmregisseur), die als Freunde in einem Schweizer Alpen-Spa Lebensweisheiten durchsprechen.

 

Der geistige Grundkonflikt: Der Musiker beobachtet nur noch ironisch die Gesellschaft ohne Antrieb, noch Großes zu schaffen. Der Regisseur hingegen hofft noch auf ein Großprojekt (das ihm seine Ex und Diva Jane Fonda mit nackter Wahrheit zu vermasseln droht).

Schon in seiner „Grande Bellezza“ hat sich Sorrentino mit Oberflächenschönheit, Intellektualität und Lebenssinn beschäftigt und drohte dabei selbst am schönen Schein zu ersticken. Caine und Keitel sind jetzt in einer „Zauberberg“-Welt, denn dieser Berghof ist ein der Welt entrücktes, morbides Dekadenz-Reich aus Narzissmus, Langeweile und Wellness. Die Bilderarrangements sind erlesen wie von Visconti.

„Grande-Bellezza“-Ästhetizismus meets Bildschönheit mit Lebensphilosophie

Fast surreal hindrapierte Alphornbläser auf einem Lichtpodest zur Unterhaltung im Hotelpark verströmen Fellini-Surrealismus. Und wenn noch die Anspielung auf Gustav Mahlers „6. Symphonie“ auftaucht, als Caine das Glockengeläut einer Kuhherde dirigiert, ist das ein wunderbar originelles Bild. Aber was hält den Film inhaltlich zusammen: geistreiche Petitessen zu Kreativität, Alter, Ehe, Männerfreundschaft und Familienstrukturen.

Man kann das alles prätentiösen „Grande-Bellezza“-Ästhetizismus nennen oder Bildschönheit mit Lebensphilosophie. Oder beides zusammen.

 

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