AZ-Filmkritik "Safari - Match me if you can": Menschen ohne Eigenschaften

Die Immobilienmaklerin Mona (Juliane Köhler) sucht verzweifelt nach einem Sex-Partner ... Foto: Concorde / Rat Pack / M. Reimann

"Safari - Match me if you can" ist eine misslungene Komödie über Sex-Dating.

Die App, die paarungswillige Nutzer entlang ihrer Triebe durch den Großstadtdschungel navigieren soll, heißt passenderweise "Safari" und funktioniert ähnlich wie Tinder. Wer im wirklichen Leben eine graue Maus ist, darf den Löwen als Profilbild wählen. Dann wird gekuppelt oder "gematcht", was das Zeug hält.

"Safari - Match me if you can" heißt die Komödie von Rudi Gaul, in der allerlei Großstadtgestalten auf der Suche nach Sex und Liebe umherirren. Der von seiner Ehefrau und seinem Berufsleben gelangweilte Straßenbahnfahrer Harry (Justus von Dohnányi) lässt sich auf dem Datingportal von einem Adler vertreten und gibt sich als Pilot aus. Was ausreicht, um die Frauen reihenweise zu erobern.

Die sexuell frustrierte und nicht mehr ganz junge Immobilienmaklerin Mona (Juliane Köhler) muss sich erst ergoogeln, was sich hinter den Bezeichnungen der sexuellen Präferenzen, die bei der Anmeldung angegeben werden müssen, im Einzelnen verbirgt.

Fiktive App durchdachter als Figuren

Dummerweise landet mit dem ersten Match der unerfahrene David (Max Mauff) in ihrem Bett, der endlich entjungfert werden möchte. Währenddessen schlägt sich die enthaltsam lebende Influencerin Lara (Elisa Schlott) mit ihren wütenden Followern herum, die herausbekommen haben, dass auch sie auf "Safari" Sexpartner sucht.

Fast scheint es, als hätten der Regisseur und seine Co-Autorin Friederike Klingholz mehr Zeit in die Entwicklung der fiktiven App als in die der Figuren investiert.

Weil es keine Eigenschaften gibt, die sie aus ihrem Inneren heraus vielschichtig machen, muss Sunnyi Melles ihre Psychotherapeutin Aurelié mit einem penetranten französischen Akzent ausstatten. Friederike Kempter schwäbelt als Künstlerin mit verzweifeltem Mann- und Kinderwunsch heftig, während Sebastian Bezzel als alleinerziehender Vater tapfer gegen die fehlende Handlung anspielt.

Die Figuren begegnen sich früher oder später nicht nur online, sondern auch im wahren Leben. Alle hängen irgendwie miteinander zusammen, wie genau, ist weder wichtig noch einleuchtend. Die Dynamik von Arthur Schnitzlers "Reigen", das als Vorbild diente, entwickelt sich hier nicht.

Film erscheint seltsam gestrig

Auch an die charmante Coolness der schnoddrigen Single-Leben-Persiflage "Shoppen" (2007) kommt "Safari" nicht heran. Die Science-Fiction-hafte Darstellung eines aktuellen Mediums lässt den Film seltsam gestrig erscheinen. Dass über den Köpfen der Clubbesucher Tier-Symbole leuchten, ist zwar nett anzusehen, führt aber als Idee genau wie die arg konstruierten zwischenmenschlichen Begegnungen nirgendwohin.

Wäre der Unterschied zwischen den Selbstdarstellern in sozialen Netzwerken und Menschen mit echten Bedürfnissen deutlicher geworden, hätte das den Film seinem gesellschaftskritischen Vorbild womöglich nähergebracht. Aber auch das ist nicht sicher.


Kinos: ABC, Cincinatti, CinemaxX, Gabriel, Gloria, Mathäser, Neues Rex, Rio R: Rudi Gaul (D, 109 Min.)

 

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