AZ-Filmkritik "Robin Hood": Versnobter Rächer der Enterbten

Taron Egerton als Robin Hood: Der schoss immer zackig, doch im neuen Film sind die Pfeile schnell wie Pistolenkugeln. Foto: Studiocanal / L. Horricks

Der neue "Robin Hood" ist ein Experiment: Die Helden tragen keine Strumpfhosen, sondern Kleidung aus sechs Jahrhunderten.

Sich radikal abzugrenzen, wilde Stil-Experimente wagen: Das ist das Privileg der Jugend. So kann auch ein verwegenes Che-Guevara-T-Shirt mit einem spießigen Seitenscheitel kombiniert werden – sehr zum Leidwesen von so manch überkritischem Elternteil. Ein filmisches Äquivalent zu diesem Alles-ist-möglich-Prinzip bildet die neueste Verfilmung des "Robin Hood"-Stoffes.

Erstlings-Regisseur Otto Bathurst möchte hier ganz bewusst eine jugendliche Zielgruppe ansprechen. Ein heikles Unterfangen, denn heutige Kids gehen – wenn überhaupt noch – in Marvel-Comics, während Freunde eleganter Mantel-und-Degen-Verfilmungen mit Errol Flynn oder vielleicht noch Kevin Costner bei all den Modernisierungen verschreckt sein dürften.

Bei Robin Hood sind die Pfeile wie Kanonenkugeln

Der Sherwood Forest wurde als Handlungsort eliminiert, Pfeile werden nun so hart und schnell abgefeuert, als wären sie Pistolenkugeln. Und für den jugendlichen Schnösel Robin von Locksley ist die Vorstellung, die Reichen zu berauben und die Armen zu beschenken, zunächst keine prickelnde Idee.

Doch die Bösartigkeit, mit der dieser schnell geschnittene Action-"Robin Hood" in den USA verrissen wurde, geht zu weit. Die freche Idee von Bathurst, sich in Kleidung und Architektur aus sechs Jahrhunderten zu bedienen, um die Zeitlosigkeit des Stoffes zu betonen, hat durchaus ihren Reiz.

Auch besitzt Taron Egerton ("Kingsman") genügend Charme und Talent, um sowohl als räuberischer Robin "The Hood" wie auch als falsch spielender Adliger, der traumatisiert vom Kreuzzug zurückkommt, durchzugehen. Dieser überraschende Drehbuchkniff der doppelten Identität ist aus "Batman" entlehnt, und gibt dem Stoff durchaus frischen Wind.

Ben Mendelsohn hebt den Film auf ein neues Level

Auch die klassischen Figuren gilt es neu zu entdecken: Little John (Jamie Foxx) als rächender Sarazenenkrieger und Lehrmeister von Robin, Will Scarlett (Jamie Dornan) als Möchtegern-Anführer einer friedlichen Rebellion und Gegner von Robins Kamikaze-Aktionen. Und während Eve Hewson als brave Gothic Lady Marian enttäuscht, hebt Ben Mendelsohn den etwas fahrigen, oberflächlichen Film auf ein neues Level.

Der australische Charakterdarsteller verströmt in seinem grauen Ledermantel mit starren Blicken als Sheriff von Nottingham Eiseskälte, manipuliert mit faschistisch angehauchten Reden aber auch geschickt die Massen, während er spät dann doch ein Trauma enthüllt.


Kinos: Cinema, Gloria, Museum-Lichtspiele (alle OV), Mathäser, Cadillac & Veranda (beide auch OV), Cinemaxx, Royal R: Otto Bathurst (USA, 116 Min.)

 

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