Tom Cruise und Regisseur Christopher McQuarrie gelingt es, "Mission: Impossible - Fallout" zum besten Fall der Serie zu machen.

Sie können fliegen, zaubern oder sich in grünliche Kraftprotze verwandeln - verlieren beim Weltenretten aber nicht mal ihren Sinn für Humor. Kein Wunder, dass gegen die (Marvel-)Comic-Helden im Blockbuster-Sommer mal wieder kein Kraut gewachsen scheint und einstige Actionstars der Marke Willis, Stallone, Schwarzenegger vom Aussterben bedroht sind. Doch es gibt noch einen Mann, der sich gegen den Trend stemmt - Tom Cruise.

Die Masche des noch immer verblüffend jungenhaften 56-Jährigen: Überwältigung dank immer waghalsigerer Stunts, quasi als Gegenentwurf zu den trickreichen, aber auch künstlich wirkenden Computer-Tricks, mit denen das Massenpublikum heutzutage bombardiert wird.

Mission: Impossible - Fallout: Bester Teil der Agentenreihe

Seinen Höhepunkt erreicht Cruise nun mit "Mission: Impossible - Fallout", dem nunmehr sechsten und besten Teil der halsbrecherischen Agentenreihe. In seiner Paraderolle als Spezialagent Ethan Hunt wagt Cruise mal eben so einen Halo-Jump aus 7,6 Kilometer Höhe, protzt in TV-Shows, dass er ihn über 100 Mal wiederholen musste, bis alles im Kasten war; mit dem Motorrad brettert er im Gegenverkehr später die Champs-Élysées herunter - ohne Helm versteht sich; und in London hüpft der Hasardeur dann von Dach zu Dach, bis ihm beim Dreh der Knöchel bricht und das Budget auf über 180 Millionen Dollar anwächst.

Warum dieser Nervenkitzel, diese Egoshow, mag sich so mancher da fragen.

Die Antwort darauf scheint so simpel wie ausgefuchst: Damit Cruise vom angeknacksten eigenen Ruf ablenken und die Aufmerksamkeit auf das eigentlich Wichtige, den Besuch dieses einzigartigen Spektakels, und das ist "Mission: Impossible - Fallout", richten kann. Verantwortlich für diese Lehrstunde in Sachen Actionkino ist Cruises Langzeitpartner Christopher McQuarrie.

Die Inszenierung: Ein Wunder

Wie es dem Regisseur gelingt, ausgelutschte Verfolgungsjagden zu Fuß, im Auto, auf Motorrädern oder im Hubschrauber-Showdown so fiebrig-mitreißend, dabei aber auch übersichtlich und nachvollziehbar zu inszenieren, gleicht einem Wunder. Kombiniert mit dem brummenden Soundtrack von Lorne Balfe erinnert dieses perfekte Action-Schachspiel an die Arbeit von Christopher Nolan in der Batman-Trilogie.

Das i-Tüpfelchen aber ist die Kreativität von McQuarrie als Autor. Wie schon in seinen Oscar-gekrönten "Üblichen Verdächtigen" lässt er den Zuschauer genüsslich im Ungewissen über die Absichten seiner Figuren, liebt das (Masken-)Spiel mit wechselnden Identitäten.

Dabei geht es im Kern nur darum, wie Ethan Hunt und seine Technik-affinen Mitstreiter Luther (Ving Rhames) und Benji (Simon Pegg) verhindern wollen, dass drei Plutonium-Kapseln in die Hände der Terrororganisation "Die Apostel" geraten. Die planen ganz wie in einem Bond-Film nichts anderes als die Veränderung der Weltordnung. Denn nur aus Asche könne ja etwas Neues entstehen.

Henry Cavill als CIA-Agent

Neu ist, dass Hunt im Kampf gegen den international operierenden Irrsinn einen Aufpasser bekommt: CIA-Hardliner Walker, mit stoischer Miene verkörpert vom "Superman"-Darsteller Henry Cavill. Die Konstellation ist deshalb so spannend, weil Cruise und McQuarrie hier auch zeigen können, dass Hunt im Grunde ein höchst moralischer Held ist, der für das Leben eines Freundes alles opfern würde - auch den Auftrag.

Für Walker, ein von der Regierung ferngesteuerter Schläger, heißt es dahingegen immer: "Mission First". Ein kluger, Identifikation stiftender Schachzug auch, dass der sechste Teil inhaltlich enger mit den anderen verzahnt ist, selbst eine Begegnung mit Hunts ehemals großer Liebe Julia (Michelle Monaghan) wird nicht kurz abgehandelt.

Sie steht für all diejenigen, die an Hunts Hang zum selbstmörderischen Aktionismus verzweifeln, während sich MI6-Agentin Ilsa (Rebecca Ferguson) genau nach diesem konkurrierenden Adrenalinrausch sehnt. Und dann ist da noch die elegante, im Grand Palais Party machende Waffenhändlerin White Widow (Vanessa Kirby). Eine undurchsichtige Zockerin, eine möglicherweise prickelnde Affäre oder für Hunt doch eine "Mission: Impossible"? Auf jeden Fall einen verblüffenden Kinobesuch wert.


Regie: Christopher McQuarrie (USA, 147 Min.), In welchen Kinos der Film läuft, lesen Sie hier

Mission: Impossible - Fallout - der Trailer