AZ-Filmkritik "Luna" - Entführung aus der Idylle

Die Münchnerin Lisa Vicari ist "Luna", ein Mädchen, das mitbekommt, dass ihre Identität auf einer Lüge der Eltern basiert. Foto: Universum

Der deutsche Thriller "Luna" von Khaled Kaissar verliert nach starkem Beginn seine Überzeugungskraft.

 

Das deutsche Kino kann auch Genre! Jedenfalls gibt es Versuche wie Khaled Kaissars Ausflug in die Welt der Spionage mit Doppelagenten und finsteren russischen Killern. Dabei beginnt alles ganz "normal". Nach einer Disconacht und Standpauke ihres Vaters muss die 17-jährige Luna in aller Herrgottsfrühe aus den Federn und mit der Familie in den Wochenendurlaub fahren. Ein nettes Häuschen, ein wuchtiges Gebirgspanorama, ein ruhiger See. Die Idylle lässt Böses ahnen und schon tauchen drei Typen auf, erschießen die Eltern und das Schwesterchen, Luna gelingt die Flucht, sie schleppt sich in die Polizeistation des nächsten Dorfes.

Die nette Beamtin, entpuppt sich als Komplizin der Mörder und will sie töten, in letzter Minute rettet sie ein Maskierter. Es ist Ex-Agent Hamid, ein Freund ihres Vaters. Er klärt sie auf über dessen Doppel-Tätigkeit für den russischen Geheimdienst und den deutschen BND. Statt den Bus zur Großmutter nach Moskau zu nehmen, sucht Luna auf ihre Weise nach der Wahrheit.

Nachlassende Spannung nach furiosem Auftakt

Nach dem furiosen Auftakt und knappen 40 Minuten flaut die Spannung ab, zerfleddert sich die Geschichte, verlieren sich Glaubwürdigkeit und Logik. Nur eines ist klar: Wer in die Mühlen konkurrierender Nachrichtendienste gerät, darf nicht mit Empathie oder Moral rechnen. Auch deutsche BND-Beamte haben Dreck am Stecken.

Kaissar, der 1985 mit seinen Eltern aus Afghanistan nach Deutschland kam, zeigte sich schon in seinem Kurzfilm "Zarnitsa" von Geheimdiensten fasziniert und ließ sich jetzt von einem realen Fall von 2012 inspirieren, der Enttarnung einer russischen, seit 20 Jahren in Deutschland verdeckt arbeitenden Agentenfamilie, deren Tochter nichts von den Aktivitäten ahnte. Was passiert, wenn ein junger Mensch erfährt, dass die eigene Identität auf einer Lüge aufgebaut ist? Diese Frage steht im Mittelpunkt.

Die in München geborene Lisa Vicari spielt die Titelheldin, für die es am Ende noch einen Hoffnungsschimmer gibt, mit einer Mischung aus Verletzbarkeit, Wut und Mut. Sie zerbricht nicht an der Katastrophe, sondern wird in einem schmerzhaften Prozess erwachsen. Als Beschützer an ihrer Seite überzeugt Carlo Ljubek zwischen Desillusion und Verantwortung, ein tragischer Held. Die beiden versöhnen mit der streckenweise an eine überzogene Räuberpistole erinnernde Handlung.


Kino: Mathäser und Monopol; Regie: Khaled Kaissar (D, 92 Min)

 

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