AZ-Filmkritik "Love, Simon": lrritierende Gefühlswelt

Spielt sensibel, rührend und packend: Nick Robinson als Simon Spier. Foto: Fox

Der Film "Love, Simon" erzählt beeindruckend von der sexuellen Identitätssuche eines Jugendlichen.

Ist doch alles easy, das glaubt jedenfalls der liberale, europäische Großstädter: Schwule können heiraten oder Händchen halten, die Gesellschaft ist ja so tolerant!

Wer aber wie der 16jährige Simon in einer amerikanischen Kleinstadt nicht weiß, wie und ob er sich outen soll, dem nutzt das alles wenig. Seine Clique in der Highschool ahnt nichts von seiner Neigung, erst als er sich anonym online in einen Mitschüler verliebt, fühlt er sich verstanden, im E-Mail-Austausch scheuen die beiden sich nicht, Intimes preiszugeben.

Ein Netz aus Lügen, Angst und Hilflosigkeit

Das Objekt der Begierde nennt sich "Blue", mehr weiß Simon nicht. Als ein nicht gerade beliebter Mitschüler zufällig die E-Mails entdeckt, erpresst er ihn. Es geht nicht um Geld, sondern Simon soll den verklemmten Vogel mit seiner besten Freundin verkuppeln, obgleich die von einem anderen schwärmt. Wenn nicht, macht der Stinkstiefel Simons sexuelle Orientierung publik. Bald zappelt der Teenager in einem Netz aus Lügen, Angst und Hilflosigkeit.

Regisseur Greg Berlanti, selbst schwul und mit entsprechenden Erfahrungen auf dem Buckel, erzählt sensibel von den Unsicherheiten, der ersten großen Verliebtheit, der aufreibenden Selbstfindung und dem schwierigen Outing.

Eine glaubhafte Adaption

Becky Albertallis Jugendbuch "Nur drei Worte - Love, Simon" wurde auch durch Realitätsnähe zum Bestseller. Die Autorin arbeitete als Psychologin mit Kids, die sich mit Geschlechter-Identitätsfragen auseinandersetzen mussten.

Die filmische Adaption kommt glaubhaft rüber, nicht nur wegen des in seiner innerlichen Zerrissenheit überzeugenden Nick Robinson, sondern auch wegen der verwegenen Lust am Jungsein und am Ausbrechen aus der Norm.

Film richtet sich an Jugendliche

Sich in der erwachenden Gefühlswelt zurechtfinden, ist für jeden Jugendlichen kompliziert, ob hetero oder schwul. Deshalb richtet sich die Geschichte an alle, die in dieser Entwicklungsphase mit Pickel und Hormonen kämpfen.

Die etwas sehr verständnisvolle Bilderbuchfamilie nimmt man notgedrungen in Kauf. Zumal das romantische Ende dieser anrührenden, aber auch manchmal traurigen Tragikomödie in den Liebeshimmel katapultiert. Das macht Mut, ehrlich zu seinen Gefühlen zu stehen.


Kino: Cinemaxx, Leopold, Mathäser (auch OV), Arena (OmU) und Museum, Cinema (OV) R: Greg Brelanti (USA, 110 Min.)

Weitere Filmkritiken der AZ finden Sie hier

 

0 Kommentare

Kommentieren

  1. null