"Kindeswohl" verlangt dem Zuschauer einiges ab – auf emotionaler und moralischer Ebene.

Der britische Star-Autor Ian McEwan hat - wie schon für "Am Strand" - das Drehbuch für "Kindeswohl" selbst geschrieben: einen Lebensthriller, in dessen Mittelpunkt eine Familienrichterin mit hohem ethischen (Selbst-)Anspruch steht.

Als Zuschauer bewundern wir diese Heldin der Arbeit. Gleichzeitig aber ist sie - auch als Selbstschutz - zu rigide, um unsere Herzen zu erwärmen. Als dann der leukämiekranke Junge unser Mitgefühl bekommt und sie gleichzeitig stalkt, geraten wir endgültig in ein emotional und moralisch vermintes Feld: Was ist richtig und was falsch, mit welchen Konsequenzen?

Wunderbar und intellektuell

Das lässt sich nicht mehr klar ausmachen - und das ist ein wunderbarer, auch intellektuell anregender Gefühlskick.

Wir gehen gebannt mit der wie immer überzeugenden Emma Thompson durch ihr Lebensfragen-Abenteuer, das auch uns selbst immer neue Bewertungen abverlangt.