AZ-Filmkritik „Kater“: Die Tat, die alles verändert

Philipp Hochmair als Andreas mit dem Kater. Foto: MissingFilms

Wie kann man mit jemandem leben, der sich nicht im Griff hat? „Kater“ von Händl Klaus.

 

Es gibt ein Vorher in „Kater“, das ist der Himmel. Es gibt ein Nachher, das ist die Hölle. Dazwischen liegt nur ein Augenblick, eine Affekthandlung, ein sinnloser, unerklärlicher Gewaltausbruch, der das Glück von Stefan und Andreas zerstört.

Wie groß das zunächst ist, zeigt Regisseur Händl Klaus mit Ruhe und Detailliebe. Das schwule Paar lebt in einem stilvollen Haus mit schönem Garten, hat erfüllende Jobs in einem Orchester, als Disponent und Hornist, und die Mitmusiker sind liebenswerte, lebenslustige Freunde. Stefan und Andreas erfreuen sich am Sex – bei Miles Davis’ „All Blues“ verschwimmen die Grenzen von Tanz, Balz und Akt. Hauskater Moses komplettiert das Glück.

Der darf bei den beiden seiner Natur entsprechend leben, ist mal verschmust und anschmiegsam, mal grausamer Mauser, der seinen Impulsen folgt. Dann folgt Stefan plötzlich einem brutalen Impuls, hat einen Aussetzer, alle Sicherungen versagen. Die Katastrophe ist passiert.

Der Schock fährt dem Zuschauer in die Glieder, nicht weniger als Andreas. Von nun an gibt es kein Entrinnen mehr aus dem Beziehungsdrama. Der Zuschauer muss alles mit aushalten: die Fassungslosigkeit, das Schweigen, die passive Aggressivität, die Ratlosigkeit. Wie geht ein Tag weiter nach einer unaussprechlichen Tat? Wie der nächste Tag, die nächste Woche?

Händl Klaus inszeniert das so realitätsnah wie beklemmend, und die Hauptdarsteller Philipp Hochmair (Andreas) und Lukas Turtur (Stefan) beeindrucken als Paar, das jedes Vertrauen, jede Zuversicht in die Zukunft verloren hat – aber eben nicht, und das ist die Krux: die Liebe.

Die bahnt sich ihren Weg zurück, auch weil Stefan rituell büßt: Er wäscht sich die Hände, schrubbt manisch den Boden, holt dem Freund die geliebten Pflaumen vom Obstbaum. Als er dabei von der Leiter fällt, vielleicht unbewusst absichtsvoll, verletzt er sich schwer. Das gibt Andreas die Möglichkeit, sich Stefan wieder anzunähern – und doch bleibt die Frage im Raum: Wie kann man mit jemandem leben, der sich nicht im Griff hat, der zu Schrecklichem fähig ist? Dieser Frage geht „Kater“ nach: klug, stimmig und am Ende spannend.


Regie: Händel Klaus (D 114 Min.)

Kino: Werkstattkino

 

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