AZ-Filmkritik "Im Himmel trägt man hohe Schuhe“: Was kann schon der Krebs?

Sie leben lieber ungewöhnlich: Jess (Drew Barrymore) und Milly (Toni Collette) sind seit ihrer Kindheit unzertrennliche Freundinnen. Foto: Neue Visionen

Die Tragikomödie „Im Himmel trägt man hohe Schuhe“ übt sich in der Balance zwischen Heiterkeit und Trauer.

 

Zwischen diese „Besten Freundinnen“ passt kein Blatt Papier. Seit ihrer Schulzeit, in der Milly die wegen ihres amerikanischen Akzents gehänselte Jess unter ihre Fittiche nahm, sind die beiden unzertrennlich. Schwesterlich teilten sie sich in der Pubertät nicht nur modische Klamotten, sondern auch den Jungen für den ersten Kuss, kicherten gemeinsam über sexuelle Erfahrungen und fanden als Erwachsene Glück in der Ehe.

Während Milly selbstbewusst auf High Heels durchs erfolgreiche Leben stöckelt, Karriere, Mann und Kinder cool managt, arbeitet die bodenständige Jess in einem kommunalen Gemeinschaftsprojekt und lebt mit ihrem Partner auf einem Hausboot, leider immer noch ohne Wunschbaby.

Beste Freundin und "Krebstyrannin"

Dann der Schock: Milly erkrankt an Brustkrebs. Natürlich steht ihr die Freundin bei der Chemotherapie und nach der Operation zur Seite und lässt sich vereinnahmen, bis Jess sich gegen die „Krebstyrannin“ Milly wehrt.

Catherine Hardwicke („Dreizehn“, „Twilight – Bis(s) zum Morgengrauen“) versucht, Kitsch und Rührseligkeit zu vermeiden, was in diesem letztendlich versöhnlichen Drama trotz sarkastischer Schlenker nicht immer gelingt, auch wenn einige zu sentimentale Szenen aus der ersten Drehbuchfassung entfernt wurden.

Zwischen Lachanfall und Heulkrampf

Humor soll das Schicksal erträglicher machen, so wird beim Kauf einer passenden Perücke und der Umfunktionierung von Brechschalen zu Hut-Accessoires laut gelacht, aber dann packt das Duo doch schnell wieder das heulende Elend.

Das Pfund, mit dem die amerikanische Regisseurin wuchern kann, sind Drew Barrymore, die erst gegen Schluss aus dem schauspielerischen Schatten von Toni Collette treten kann, die das ganze Programm von himmelhoch jauchzend bis zu Tode betrübt gefühlsmäßig durchdekliniert und dabei nicht merkt, dass die überforderte Jess sich nicht einmal traut, ihr ein Wörtchen über die ersehnte Schwangerschaft zu sagen.

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Weibliche Power, männliche Passivität

Bei dieser starken Performance nimmt man auch knirschend das altbekannte Klischee von der sexy Blonden und nachdenklichen Brünetten in Kauf.

Die Herren dagegen, ob Ehemann oder Lover, müssen sich mehr mit der Statistenrolle begnügen. Was bei diesen beiden sehr unterschiedlichen Power-Weibern durchaus verständlich ist.


Kino: Mathäser, Gloria-Palast, City, Cadillac / R: Catherine Hardwicke (USA, 112 Min.)

 

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