AZ-Filmkritik Gut zu Vögeln: Teenagerhafte Midlifecrisis

„Gut zu Vögeln“: Männer wollen nie erwachsen werden, immer nur das eine und letztlich doch in die Zweisamkeits-Falle.

Die Boulevard-Journalistin Merlin (Anja Knauer) ist Anfang dreißig, als ihr Verlobter per SMS die Hochzeit abbläst. Herausgerissen aus ihrem Prinzessinnentraum von Zweisamkeit und Kinderwunsch, versucht ihr Bruder (Max Giermann) die jetzt Obdachlose in seiner Ex-WG unterzubringen – bei Jacob und Nuri.

Die zwei überzeugten Singles haben überhaupt keine Lust auf eine Mitbewohnerin mit Trennungsproblemen, können ihrem besten Freund aber keinen Wunsch abschlagen. Als sie unter ihren Taschentuchbergen zu ersticken droht und ihr Heulen beinahe Jacobs Frauenbesuche in die Flucht schlägt, muss eine Lösung her: Jacob überredet sie, ihren Liebeskummer mit einem One-Night-Stand zu trösten.

Eine anti-romantische Komödie

So geht es los im Film „Gut zu Vögeln“, den die Macher als „anti-romantische“ Komödie bezeichnen und der von der Bindungsunfähigkeit der 30-Jährigen erzählen will. Anti-romantisch heißt vermutlich, dass Regisseurin Mira Thiel etwas anders machen wollte als die gängigen Romantic Comedys. Tatsächlich kommen sich Merlin und Jacob beim Austausch über weibliche Verdauungsprobleme näher, was allerdings nicht anti-romantisch, sondern nur ordinär ist. Der Rest folgt dem Muster einer romantischen Komödie: Urplötzlich wird aus dem verantwortungslosen Junggesellen ein treuer Partner.

Die Figuren in „Gut zu Vögeln“ tragen Klischee-Eigenschaften, wie man sie Großstädtern Anfang dreißig anklebt. Unter die Lupe genommen oder gar karikiert werden deren Lebensentwürfe hier nicht, allenfalls unentschlossen und damit unwitzig ironisiert: Merlin muss natürlich den Mädchentraum der Nullerjahre leben, Yoga machen und Journalistin sein – mit bizarrem Redaktionsalltag und transsexueller Assistentin (Ulrich Gebauer) als Witzlieferantin. Auch Merlins Freundin (Katharina Schlothauer) hat einzig die Aufgabe, als Gegenpart eifersüchtig und schwanger zu sein.

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Wilder Mix aus 90er- und Nuller-Jahre-Verhaltensweisen

Als das Männer-Trio beschließen, wie in alten Zeiten zum Ballermann zu fahren, reist sie ihnen hinterher und gebiert auf der Tanzfläche eines Clubs unter dem Grölen der besoffenen Partygäste und im Disconebel ihr Kind. Auch dieser Moment ist nicht anti-romantisch, sondern ist eine verunglücktes Bild für die typische Botschaft: Ausgelassen Feiern macht keinen Spaß mehr! Ihr müsst heiraten und Verantwortung übernehmen. Es ist mehr ein wilder Mix aus 90er- und Nuller-Jahre-Verhaltensweisen, die den Figuren wahllos angedichtet werden. Anja Knauer, Max von Thun und Max Giermann machen das Beste daraus. Ihnen zuzuschauen macht zumindest Spaß.


Kino: Cinemaxx, Mathäser R: Mira Thiel (D, 92 Min.)

 

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