AZ-Filmkritik "Gimme Danger": Die sieben wilden Jahre

Dank Erdnussbutter kann er seine Pelle jederzeit herzeigen: Iggy Pop und The Stooges. Foto: Studiocanal

Mit "Gimme Danger" verneigt sich Regisseur Jim Jarmusch vor den Punk-Urvätern The Stooges.

 

Gegen sie sahen Mick Jagger und seine Stones aus wie Schuljungen. Etwas wie die Stooges hat bis Ende der Sechziger wohl noch niemand erlebt. Rock‘n’Roll in seiner primitivsten und gefährlichsten Form, angereichert mit dem Dreck der Gosse und allen erdenklichen Drogen. Dazu noch die Performance von Sänger Iggy Pop – verschmiert mit Blut und Erdnussbutter – irgendwo zwischen epileptischem Anfall und Voodoo-Ritual.

Der große Wurf gelang der Band trotzdem nicht, weshalb nach sieben Jahren schon wieder Schluss war.

Heute haben die Stooges unzählige Anhänger, einen Platz in der Rock ‘n’ Roll Hall of Fame und gelten als die Erfinder des Punk Rock – zehn Jahre bevor sich irgendjemand diesen Begriff auf die Lederjacke geschmiert hat. Für den Kult-Regisseur Jim Jarmusch sind sie gar "die größte Rockband aller Zeiten". Nachdem Iggy Pop bereits in seinem Film "Dead Man" und einer Episode aus "Coffee and Cigarettes" mitspielen durfte, hat Jarmusch ihm und seiner Band nun "Gimme Danger" gewidmet.

Und wenn man auch nur ein bisschen etwas mit der härteren Gangart anfangen kann, hat man an diesem Dokumentarfilm seinen Spaß. Die Live-Videos mit einem schreienden und springenden Iggy lassen leicht erahnen, wie es sich angefühlt haben muss, damals dabei zu sein.

Daneben zeigt Jarmusch auch die andere, bürgerliche Seite dieser Zeit, bestehend aus Werbespot- und Filmschnipseln. Dazu noch Iggys Geschichten, die immer hohen Unterhaltungswert haben. Wem würde man sonst zutrauen, eine Marihuana-Pflanze im Wäschetrockner zu trocknen?

Im Aufbau bleibt der Film dann aber recht konventionell. Chronologisches Abarbeiten der Bandgeschichte, Kommentare der Beteiligten, Archivaufnahmen – Jarmusch verlässt sich auf die bekannten Bausteine. Wie er selbst sagt, sieht er den Film "eher als Essay denn als Dokumentation". Dazu bewegt er sich allerdings doch zu sehr auf bekannten Rockumentary-Pfaden.

"Gimme Danger" ist eine kurzweilige wilde Zeitreise, die aber wenig Neues bietet. Dem Stooges-Kenner wird vielleicht auffallen, dass das 2007er Album "The Weirdness" nicht erwähnt wird. Könnte es daran liegen, dass es bei Erscheinen überhaupt nicht gut wegkam? Auch "die größte Rockband aller Zeiten" macht nicht immer alles richtig. 


Kinos: Arena, City, Münchner Freiheit

R: Jim Jarmusch (USA, 108 Min.)

 

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