AZ-Filmkritik Giftige Geschenke

Kleine Geschenke erhalten die Freundschaft: Aber die Aufmerksamkeiten, die Rebecca Hall vor der Tür findet, sind zunehmend befremdend. Foto: PPG

Der mörderisch spannende, hinterlistige Thriller „The Gift“ von Joel Edgerton. Verheiratetes Ehepaar trifft alten Schulkameraden, der immer mehr zum unangenehmen Anhängsel wird und dunkle Absichten verfolgt.

 

Beim Treffen alter Schulkameraden kann es schon mal peinlich werden. So, wenn auf die Allgemeinplatz-Frage „Wie geht’s dir so?“ nicht viel kommt und auch die Nostalgie-Nummer nicht so richtig zieht, weil man sich bereits früher nichts zu sagen hatte. Eine solche Begegnung der eher unangenehmen Art nimmt Debütregisseur und Schauspieler Joel Edgerton („Black Mass“) zum Ausgangspunkt für einen mörderisch spannenden, hinterlistigen Thriller, wie man ihn auf diesem Niveau lange nicht gesehen hat.

Die Rollen scheinen zu Beginn klar verteilt. Wir sehen ein Yuppie-Ehepaar, das den beruflichen wie persönlichen Neuanfang wagt. Hier der etwas glatte IT-Sicherheitsspezialist (Jason Bateman), dort die sensiblere Gattin (Rebecca Hall), die noch nicht über ihre Fehlgeburt hinweg ist.

Im Glaspalast in den Hollywood Hills soll der Kummer der Lebensfreude weichen, die Rollenverteilung ins rechte Macho-Licht gerückt werden – er sorgt im Power-Stress-Job für das Geld, die künstlerisch Tätige für die möglichst stressfrei verlaufende Schwangerschaft. Doch im Laden treffen Simon und Robyn zufällig auf einen Mann, der ihr Leben verändern wird. Gordo ist ein alter Highschool-Bekannter von Simon, eine Type, auf deren Stirn bereits das Wort „gefährlich“ eintätowiert zu sein scheint.

Klug, psychologisch mit Raubtiermentalität und aktuellen Themen

Schleppend, wenig artikuliert spricht er, dieser Gordo, auch die schräge orange-braune Haartönung, der hässliche Ohrring und die schlecht sitzenden Kleider schaffen auf den ersten, oberflächlichen Blick keine Sympathie. Und genau mit dieser Erwartungshaltung, es mit einem fiesen Stalker zu tun zu haben, spielt Edgerton, der auch mit diabolischer Brillanz in die Rolle von Gordo schlüpft. Mit (Fein)Gefühl für Fremdschämmomente zeigt er, wie dieser Verlorene mit merkwürdigen Geschenken (von der Weinflasche bis zu Zierfischen) Anschluss sucht, bis sich Merkwürdigkeiten häufen.

Was „The Gift“ zum Geschenk für alle Freunde kluger, psychologischer Thriller macht, ist, wie langsam Edgerton seine vielschichtigen Figuren entpackt, und wie im letzten Drittel sich ganz andere, starke Themen wie die Folgen von Mobbing, Vertrauensverluste und eine sich im Leben ständig wiederholende Raubtiermentalität in den Vordergrund drängen.

 

0 Kommentare