AZ-Filmkritik "Ein Hologramm für den König“: In unschlüssiger Schönheit

Letztliches Aufleben eines Handlungsreisenden: Tom Hanks in "Ein Hologramm für den König". Foto: X-Verleih

Kulturkampf und Selbstbefreiung: Tom Tykwers "Ein Hologramm für den König“ schickt Tom Hanks in die saudische Wüste.

 

Man kann von sich selbst nicht verreisen, wird behauptet. Stimmt vielleicht, denn im psychischen Gepäck ist man ja immer noch derselbe. Und dennoch: viele Geschichten erzählen davon, wie durch Abstand von Zuhause und Konfrontation mit dem Anderen sich die Sicht auf das eigene Leben ändert: die Fremde als Katalysator.

Das ist auch die klassische Geschichte in Tykwers "Hologramm für den König“. Ein Geschäftsmann soll in Saudi Arabien das Königshaus für einen Vertragsabschluss gewinnen. Er hat die Präsentation einer neuen Kommunikationsform dabei: Man telefoniert nicht nur miteinander und sieht sich dazu wie beim Skypen, sondern der andere wird als bewegtes Hologramm neben einen in den Raum projiziert.

Tom Hanks als perfekter Allerweltsmann

Tom Hanks ist für diesen Handlungsreisenden ideal besetzt, denn er ist der perfekte Allerweltsmann, mit dem wir uns im Alltagsüberlebenskampf identifizieren können. Scheidung und hohe Studien-Gebühren der Tochter im Nacken muss er auf dieser verflixten Geschäftsreise performen, aber er läuft auf: durch technische Probleme, private Verstrickungen und vor allem die orientalische Mentalität aus undurchschaubaren Hierarchien, Unpünktlichkeit und völliger Unverbindlichkeit.

Das alles ist Stoff, aus dem man Funken schlagen könnte: tragikomischer Clash of Civilisations, privater Druck und eine kafkaeske Mission in der Wüste. Aber nichts zündet. Und vor allem: Tom Tykwer ("Das Parfum“, "Cloud Atlas“) bekommt die Dramaturgie nicht in den Griff. Er nimmt interessante Fäden auf und verliert sie unbefriedigend wieder: wie eine gefährliche Liebes- und Politgeschichte von Hanks’ arabischem Chauffeur oder Hanks’ als Nicht-Muslim lebensgefährliche Fahrt durch Mekka.

Alle Bilder (Kamera: Frank Griebe) sind von kunstvoller, intensiver, dabei natürlicher Schönheit. Aber sie ergeben keine flüssige Geschichte. Und da, wo man hinter die Kulissen des totalitären Königreichs blickt – mit bizarren Investitionsruinen, einer brutalen Schatten-Gastarbeiter-Welt – bleibt es bei oberflächlichen Assoziationen. Auch die sich anbahnende Liebesgeschichte ist emotional unterentwickelt und bleibt so kalt.


Kinos: Gabriel, Mathäser, Sendlinger Tor, Isabella, Monopol, Cinemaxx, Leopold, Museum (OV) / B&R: Tom Tykwer (D, 98 Min.)

 

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