AZ-Filmkritik "Docteur Knock" - Gesund? Mehr untersuchen!

Dr. Knock (Omar Sy) suggeriert der Patientin Zipperlein! Foto: Wild Bunch

"Docteur Knock – Ein Arzt mit gewissen Nebenwirkungen" mit Omar Sy.

 

Als unkonventioneller Pfleger in "Ziemlich beste Freunde" gelang Omar Sy der internationale Durchbruch. Dann folgten Umzug nach Los Angeles, ein paar Filmchen, erst mit "Heute bin ich Samba" und "Plötzlich Papa", der allein in Deutschland fast eine Million Zuschauer ins Kino lockte, ging es wieder aufwärts.

Mit Charme und nicht ganz sauberen Methoden versucht Frankreichs Superstar als Dr. Knock Patienten in seine Praxis zu locken. Im sonnigen Südfrankreich der 50er Jahre sind die Dorfbewohner leider pumperlgsund und so muss er ihnen Krankheiten suggerieren.

Das klappt. Bald lassen Männlein und Weiblein jeglichen Alters ihre eingebildeten Leiden kurieren, hat jeder nach dem Bonmot "Ein gesunder Patient ist nur noch nicht genau untersucht" sein eigenes Zipperlein.

Das schöne Leben gerät in Gefahr

Sogar der Lehrer hält Vorträge zur Gesundheits-Vorsorge, der Apotheker freut sich über wachsende Kundschaft, nur der Pfarrer bleibt skeptisch. Mit Speck fängt man Mäuse, hier mit einer ersten kostenlosen Sprechstunde. Die Kasse stimmt und die zarte Liebe zur Bauernmagd Adèle beschwingt. Als die schwer erkrankt und auch noch ein Ganove aus Knocks dunkler Vergangenheit auftaucht, gerät das schöne Leben in Gefahr.

Regisseurin Lorraine Lévy setzt auf die Wechselwirkung von Lachen und Weinen, Humor und Traurigkeit, verliert dabei die anfängliche Empathie und den Blick auf die Personen.

Die hantieren durchweg als Klischees, vom schlitzohrigen, aber liebenswürdigen Onkel Doktor über die sanfte verliebte Maid bis hin zur leicht zu übertölpenden Bevölkerung. Aus dem Theaterstück von Jules Romains aus dem Jahre 1923 wird ein Feelgood-Movie und aus dem damals hassenswerten weißen Megalomanen Dr. Knocks in der neuen Filmversion ein sympathischer schwarzen Held mit Herz.

Wenn jetzt Knocks alias Sy zu Beginn wegen Spielschulden von jeglichem Wissen unbeleckt als Schiffsarzt anheuert, dubiose Ratschläge gegen Sonnenbrand gibt und mit sinnlosen Fachausdrücken um sich wirft, ist das noch amüsant. Aber wenn er dann nach dem Medizinstudium ins Dorf einfällt und durch Manipulationen Meriten sammelt, dominiert platter Witz, verpuffen gequält ernste Wendungen in eine Pseudo-Melodramatik. Selbst der damalige Rassismus ist kein Thema.

Fröhlichkeit und breites Lachen des durchtriebenen Hippokrates-Jünger helfen kaum über die fatalen Schwächen hinweg.


Kino: ABC, Theatiner (OmU), Buch & Regie: Lorraine Lévy (F, 114 Min.)

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