AZ-Filmkritik "Die Verlegerin" - Ans Licht der Öffentlichkeit!

Setzten wir jetzt mal alles auf Spiel? Ja! Tom Hanks als Chefredakteur Ben Bradlee und Meryl Streep als seine Verlegerin Kay Graham. Foto: Niko Tavernise / UPI

Drama mit Happy End um nichts Geringeres als Wahrheit und Demokratie: Meryl Streep und Tom Hanks in Steven Spielbergs "Die Verlegerin".

 

Die Frage ist: Was muss man wissen, um einen Film zu verstehen, der Komplexes erzählt: wie zum Beispiel die US-Strategie im Vietnamkrieg?

Denn gleich zu Beginn erleben wir den US-Verteidigungsminister, Robert McNamara, wie er intern zugibt, dass trotz 100.000 zusätzlicher Soldaten und gesteigertem Bombardement die kommunistischen Vietcong nicht in die Knie zu zwingen sind.

Gleichzeitig erlebt man eine "Provinzzeitung", die sich durch einen Coup zur national, ja international bedeutsamen Zeitung hochkatapultiert. Dieser Coup gelingt der Washington Post, weil das Weiße Haus die berühmte New York Times per Anordnung zeitweise zwingt, bestimmte Berichterstattungen einzustellen.

Man sieht Präsident Nixon durchs nächtliche Fenster im Weißen Haus telefonierend seine Stabschefs zusammenscheißen, damit sie alles versuchen, die New York Times zu stoppen. Denn die hatte McNamaras Geheimberichte zugespielt bekommen, die belegten, wie fünf US-Regierungen die Bevölkerung über den schmutzigen Krieg in Vietnam täuschten.

Zentralpunkt des Films ist die Pressefreiheit

Also ist noch ein Gerichtsdrama um die Pressefreiheit ein Zentralpunkt des Filmes. Währenddessen nutzt die Washington Post ihren ergaunerten Zugang zum New York Times-Informanten. Aber weil die Washington Post gerade an die Börse geht, drohen nun ihr die Geldgeber abzuspringen. Ihnen wird die Geschichte politisch zu heiß. Was tun? Berichten oder es sein lassen? Außerdem ist die Verlegerin(oscar-nominiert gespielt von Meryl Streep) ausgerechnet noch mit dem zurückgetretenen Verteidigungsminister McNamara befreundet...

Das alles will filmisch erzählt und ineinandergeschoben sein. Aber der politisch liberale Steven Spielberg ist ein konservativer Regisseur, der klassisch und geradlinig seine spannenden Geschichten erzählt. Und so fügen sich alle Aspekte in ein klares Ganzes, in dem Spielberg auch noch die Frauen-Emanzipations-Quoten-Meetoo-Debatte ins Jahr 1971 zurückspiegelt – mit manchmal etwas plakativen Bildern. So wenn Meryl Streep die Stufen vom Supreme Court hinunter in eine bewundernde Sekretärinnen und Assistentinnen Gruppe schreitet.

Spielberg erschafft ein elegantes Gefüge

Das aber schadet dem insgesamt sehr eleganten Gefüge nichts, in dem Spielberg eben alles verhandelt: US-Geschichte, anhand derer er die Wichtigkeit zeigt, die Pressefreiheit als Grundelement einer freien und demokratischen Gesellschaft zu verteidigen. Oder die Frage, wie man Nähe gewinnt, um Informationen zu erhalten und gleichzeitig unabhängig bleibt.

Denn wie urteilt das Oberste US-Gericht zu Gunsten der New York Times und gegen die Nixon-Regierung: "Die Presse soll den Regierten dienen, nicht den Regierenden!" Und dazu braucht es auch Mut, den Meryl Streep als "Die Verlegerin" im Duo mit ihrem Chefredakteur (Tom Hanks), beispielhaft, aber durchaus ehrlich und natürlich zerrissen, zeigen. Und in der Frage, ob eine Zeitung möglichst billig mit möglichst wenig Personal zu produzieren sei, oder aufwendig mit einem Stab investigativer Journalisten, versucht Streep ihren Anlegern klar zu machen: "Qualität ist Rentabilität. Und deshalb investieren wir in gute Reporter!" All diese Fragen sind auch nach über 40 Jahren extrem aktuell, und im Hintergrund winkt natürlich auch Trumps Kampf gegen die Presse, den er mit "alternativen Fakten" führt.

Und wer sich für das alles – leider – zu wenig interessiert? Der bekommt dennoch einen klassischen spannenden Film geliefert. Und was den Wahrheitsgehalt des Films anbelangt?

Sehr hoch! Nur dass damals in Redaktionen noch mehr geraucht und auch getrunken wurde.


Kino: Sendlinger Tor, Münchner Freiheit, Rex, Rio, Royal, City sowie Atelier, Isabella (OmU) und Cinema, Museum (OV) Regie: Steven Spielberg (USA, 117 Min.)

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