AZ-Filmkritik "Die schönen Tage von Aranjuez": Perfekter Sommertag

Reda Kateb, Sophie Semin als Gesprächspaar, Ex-Geliebte und Stellvertreter für Mann und Frau. Foto: Foto: Alfama Films Production

Wim Wenders Reflexionsfilm in 3D: „Die schönen Tage von Aranjuez“ nach Peter Handke.

Ein Gespräch über den tieferen Sinn des Lebens, Liebe und Sexualität zwischen einem Mann und einer Frau in einem verwunschenen Sommergarten auf den Hügeln vor Paris, das könnte prickelnd, verführerisch und erotisch sein.

Nichts da! Mit lapidaren, voyeuristischen Gelüsten hat Wim Wenders nicht viel im Sinn. Trotz Einsatz von 3D-Kamera und Nähe zu den Personen bleibt in diesem Kammerspiel alles minimalistisch. Ein über den Tisch rollender Apfel ist da schon große Action.

Mit wenigen Unterbrechungen sitzt das namenlose Paar Limonade süffelnd am Tisch und redet mit- und gegeneinander. Ihre Beziehung bleibt unklar.

Beobachtet werden die beiden vom Autor (Jens Harzer), der im Haus ihre Geschichte an der Schreibmaschine, neben der ein iPhone liegt, permanent weiter spinnt: eine Selbstreflexion als Filmemacher und Autor. Und vielleicht gibt es die beiden auch gar nicht, sondern nur im Kopf des Autors.

Eine Hommage an Sophie Semin

Auf jeden Fall ist „Die schönen Tage von Aranjuez“ keine leichte Kost. Es ist die elegante und sehr stilisierte Sprache die zählt, die verschachtelte Philosophie hinter den Worten. Und die sind mächtig: basiert der Text doch auf Peter Handkes in Französisch geschriebenem Zwei-Personen-Stück „Sommerdialog“ als Hommage an seine Frau Sophie Semin, die auch die Hauptrolle spielt an der Seite von Reda Kateb.

Handke, mit dem Wenders eine 50-jährige Freundschaft und Arbeit (u. a. „Der Himmel über Berlin“) verbindet, liefert einen Gastauftritt als Gärtner. Die Unmöglichkeit von Liebe zieht sich wie ein roter Faden durch Wenders‘ Werk und verdichtet sich hier in seinem Blick auf zwei wie aus der Zeit geworfenen Menschen. Er bedauert die heutige Abwesenheit des Dialogs zwischen den Geschlechtern, deren Unvereinbarkeit in Sehnsucht und Begehren. Im nostalgischen Ambiente darf auch die alte Wurlitzer-Jukebox spielen, aus der am Anfang sehnsüchtig Lou Reeds „A Perfect Day“ schallt.


Kino: Münchner Freiheit (OmU)

R: Wim Wenders (D/F, 98 Min.)

 

0 Kommentare