AZ-Filmkritik "Die Pariserin – Auftrag Baskenland": Landliebe voller Klischee

Élodie Fontan als Pariserin im Baskenland Foto: X-Verleih

Schlicht, aber lustig: Die französische Komödie "Die Pariserin – Auftrag Baskenland" spielt mit den Klischees.

 

Provinz? Für waschechte Pariser eine Höllenstrafe! Allein die Sprache ist den meisten ein Graus, ob die Mischpoke im Norden den Dialekt Scht‘is spricht oder im Südwesten baskische Laute von sich gibt. Beides versteht der eloquent elitäre Hauptstädter nicht.

Ins Baskenland, wo man die Schafe noch einzeln beim Namen nennt, wird hier die taffe Businessfrau Sibylle von ihrer Firma geschickt. Der tattrige Besitzer eines Eisenwarenladens hat schon 100.000 Euro kassiert, um Platz für einen schicken Supermarkt zu machen. Der Abschluss scheint nur noch eine Formsache. Doch der Alte und die Moneten bleiben verschwunden. Und der sexy Neffe mit dem Zungenbrechernamen Ramuntxo Beitialarrangoïta denkt nicht ans Verkaufen. Er ist ein früherer ETA-Kämpfer mit Knasterfahrung, der Espadrilles verhökert, die keiner will.

Es kommt, wie’s kommen muss: Die mit einem Langweiler verheiratete Madame und der Macho kriegen sich. Aber bis zum Herzensglück muss sie durch Schlamm staken, beim Pinkeln vorm Bären fliehen, auf der Bühne Hirtenschreie imitieren, Likör bechern und mit Panzerfaust und Maschinengewehr hantieren.

Einfach gestrickter Film mit lapidarer Botschaft: Wahre Liebe ist stärker als schnöder Mammon

Schlicht aber lustig geht‘s zu und natürlich romantisch beim Gitarrezupfen des Belami und Schmettern sehnsuchtsvoller Chansons in den Sterne funkelnden Nachthimmel. An Klischees und Komik fehlt es nicht, wenn die schlitzohrigen Einheimischen Heimat und Kultur verteidigen, die schicke Großstadtzicke ihr Kostümchen an den Haken hängt und sich zur geerdeten Dörflerin wandelt, die am Ende Spezialitäten der Region an Touristen verkauft. Selbstverständlich mit Erfolg.

Eigentlich ist die Geschichte vom echten Leben auf dem Land bis hin zur Vereinfachung der ETA, der separatistischen baskisch-nationalistischen Untergrundorganisation, so simpel gestrickt, dass man über diesen Film im Stil eines Groschenromans nur den Kopf schütteln kann. Aber da sind Élodie Fontan (aus "Monsieur Claude und seine Töchter") und Kraftpaket Florent Peyre. Wie die beiden mit ihrem amourösen Pingpong-Spiel sich in der Ansammlung von Stereotypen Platz verschaffen, das entwickelt einen ganz eigenen Charme. Und die lapidare Botschaft, wahre Liebe ist stärker als schnöder Mammon, hört wohl jeder gern.


Kino: ABC R: Ludovic Bernard (F, 98 Min.)
Verlosung: Zum Kinostart verlosen wir 3 Reiseführer "Südwestfrankreich" (Michael Müller Verlag) mit praktischen Infos für einen individuellen Urlaub. Wer gewinnen will, schreibt eine E-Mail bis Sa: kultur@az-muenchen.de, "Auftrag Baskenland"

 

0 Kommentare

Kommentieren

  1. Ihre Daten können Sie in Ihrem Benutzerkonto ändern. Dieses finden Sie oben rechts .

loading