AZ-Filmkritik "Die Hütte – Ein Wochenende mit Gott": Religionserfahrung

Mack (Sam Worthington) mit Gott, genannt Papa (Octavia Spencer). Foto: Concorde

Bestsellerverfilmung: Den Titel "Die Hütte – Ein Wochenende mit Gott" muss man ganz naiv und ernst nehmen.

 

Der Verlust eines geliebten Menschen; ein Schicksalsschlag, der einen von heute auf morgen aus der Bahn wirft: Einen Weg, so etwas zu verarbeiten, muss jeder für sich selbst finden. Der kanadische Autor William Paul Young, Sohn zweier Missionare im früheren Niederländisch-Neuguinea, erlitt als Kind selbst einen großen Verlust.

Seine Geschichte hat er in "The Shack" aufgeschrieben und, weil er keinen Verlag fand, selbst gedruckt. Ein Jahr später war das Buch auf Platz 1 der "New York Times"-Bestsellerliste. Weltweit wurden 22 Millionen Exemplare verkauft. Mack (Sam Worthington) ist ein zufriedener, gläubiger Mensch. Trotz traumatischer Kindheit ist er glücklich verheiratet und selbst Vater von drei Kindern. Eine besonders enge Verbindung hat er zu seinen kleinen Tochter Missy (Amélie Eve). An einem gemeinsamen Camping-Wochenende kommt es zu einem Unglück. Missy ist verschwunden. Eine letzte, grausame Spur findet sich in einer Hütte im Wald.

Trauer und Schuldgefühle erdrücken Mack ihn. Er läuft Gefahr, die Beziehung zu seiner restlichen Familie zu riskieren. Dann findet er eines Tages eine Nachricht im Briefkasten - eine Einladung von Gott in eben jene Hütte. Er bricht er auf, um herauszufinden, was es mit der Botschaft auf sich hat. Tatsächlich wird er an diesem Wochenende Gott begegnen und endlich Gelegenheit haben, all die Fragen zu stellen, auf die er, der sich vom Allmächtigen abgewandt hatte, bisher keine Antworten fand: eine Sinnsuche, spirituelle Reise zu sich selbst. Im Film ist Gott endlich greifbar. Auch Jesus und der Heilige Geist sind Figuren scheinbar aus Fleisch und Blut.

Mack stellt stellvertretend für den Zuschauer die zentralen Fragen. Der britische Regisseur Stuart Hazeldine inszeniert diese Geschichte mit erwartbaren Bildern: Bilderbuch-Familie vor dem Unglück, sein sturer Schmerz danach und schließlich das schrecklich schöne, in warme Farben getunkte Wir-haben-uns-alle-lieb-Setting bei der Begegnung mit Gott.

Sam Worthington spielt seine Rolle durchaus überzeugend, aber der Verzeihen predigende Film ist – auch durch seine melodramatische Musik – schwierig für Menschen, die nicht naiv sind.


Kino: Cadillac, Cinemaxx, Gloria, Mathäser und Museum (OV)

R: Stuart Hazeldine (US, 99 Min.)

 

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