AZ-Filmkritik "Die Häschenschule": Lässige Junghasengeschichte

Traditionell gezeichnet, aber modern erzählt: Die „Häschenschule“ mit Max (gesprochen von Noah Levi) und Lehrer Eitelfritz. Oben: Den Füchsen ist Max schon mal für kurze Zeit in die Falle gegangen. Foto: Universum

Coolness ist nicht alles: Die alte "Häschenschule" kommt als Kinofilm wunderbar zeitgemäß daher.

 

Zucht und Ordnung wie im Kaiserreich? So leicht ließ sich der brave Untertanengeist nicht austreiben. Auch als 1924 "Die Häschenschule" zum ersten Mal erschien, hatten die Wilden 20er und Reformpädagogik das Schulwesen noch nicht durchdrungen. Jetzt ist der Kinderbuchklassiker des Zeichners Fritz Koch-Gotha (1877–1956) und Dichters Albert Sixtus (1892–1956) in einer lässig modernen Version in den Kinos und heißt gleich actiongeladen "Jagd nach dem Goldenen Ei". Dabei geht es aber weit nicht so hektisch zu wie in US-Animationsfilmen.

Zeitgemäß steht gegen die Provinzidylle der Häschenschule die Großstadt. Hier hat Teenie-Hase Max unter einer Grüninsel im Straßenverkehr seine Bude. Die Zeit verbringt er am Liebsten beim Abhängen mit Kumpels und kleinen Ladendiebstählen. Er hofft, in die coole Gang der "Wahnsinns-Hasen" aufgenommen zu werden, aber ein Angeber-Abenteuer verschlägt ihn in die traditionelle Häschenschul-Welt.

Das Spiel mit den Stadt-Land Gegensätzen

Regisseurin Ute von Münchow-Pohl spielt – ohne schulmeisterlich zu sein – mit den Gegensätzen Stadt-Land, zeigt die Stärke traditioneller Gemeinschaftswerte gegenüber dem modernen Selbstverwirklichungstripp, auch wenn Max anfangs als cooler Stadthase auf die Landeier herabschaut. Bei alledem ist ein Kinderkosmos aus Abenteuerlust, Ängsten, Cool-Sein-Wollen und Gemeischaftswunsch gut umrissen. Und dass der sympathischen Betulichkeit des alten Schulmeisters (wunderbar großväterlich von Friedrich von Thun gesprochen) nicht die Zukunft gehört, ist klar.

Unklar aber bleibt, warum die neue "Häschenschule" vom Zen-Buddhismus geprägt ist, die die Schulleiterin (mit der einnehmend warmherzigen Stimme von Senta Berger) praktiziert. "In der nächsten Stunde dann / kommt die Tiergeschichte dran. Von dem alten Fuchs, dem bösen, / wird erzählt und vorgelesen, /wie er leise, husch, husch, husch,/ schleicht durch Wiese, Feld und Busch", heißt es im 90 Jahre alten Buch.

Jetzt sind drei Jungfüchse von ihrer Raben-Fuchsmutter auf die "Jagd nach dem Goldenen Ei" angesetzt. Sie sind ein bisschen zu dämlich und könnten im folgenden Teil aufgewertet werden. Der deutet sich am Ende an, wenn Max zurück in die Stadt kommt und bei der "Wahnsinns-Hasen"-Gang mitmachen will. Und die Füchse? Die werden dann sicher zu Stadtfüchsen!


Kino: Cinemaxx, Mathäser, Museum-Lichtspiele

R: Ute von Münchow-Pohl (Deutschland, 76 Min.)

 

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