AZ-Filmkritik "Der Grinch": Froh und munter, aber von Herzen

Wundervolle Weihnachtswelt oder doch nur alles hemmungslos konsumverseucht? Der Außenseiter Grinch jedenfalls hasst die Weihnachtsstimmung. Foto: Universal Pictures

"Der Grinch": Das US-Weihnachtsmärchen in einer geistreichen Animationsversion mit erfrischendem, ironisch europäischem Blick

 

Fröhliche Weihnacht überall. Aber bei aller Globalisierung hat manches Land doch noch einen eigenen Weihnachtsmythos. Für die Angelsachsen ist es Charles Dickens' "A Christmas Carol" mit dem geizigen Scrooge – und bei den Amerikanern gibt es noch den "Grinch". 1957 – in Mitten der Wirtschaftswunderjahre – veröffentlichte dort der Cartoon-Spezialist Theodor Seuss Geisel, besser bekannt als Dr. Seuss, die Kindergeschichte "Wie der Grinch Weihnachten gestohlen hat".

Wir Deutschen mussten bis zur Jahrtausendwende auf die Übersetzung des Bestsellers warten, der zu den hundert meistverkauften Kinderbüchern zählt. Der Anlass war die Realfilmversion von Ron Howard mit Jim Carrey als grünem Griesgram. Jetzt kommt eine animierte Version ins Kino, in der Otto Waalkes Grinch seine Stimme gibt. Und da Otto hier nicht blödeln kann, sondern zwischendurch sogar Melancholie verbreiten muss, ist er als Stimmcharakter hervorragend besetzt.

Wunderbare Übersetzung

Den Regisseuren Yarrow Cheney und Scott Mosier ist mit "Der Grinch" ein witziger Vorweihnachtswurf gelungen, wahrscheinlich auch, weil sie als Franzosen doch einen distanzierten europäischen Blick auf eine amerikanische Kitschkonsumweihnacht haben.

Das beginnt damit, dass wir von Grinchs Berghöhle aus auf eine puppenhausige Klischee-Kleinstadt schauen, wo sich alle Max Mustermänner und Frauen in ihrer jährlichen Weihnachtsvorbereitungshysterie befinden: vom bulimischen Geschenkekauf über die Wer-hat-den-längsten-Weihnachtsbaum-Konkurrenz bis hin zu den Hausilluminations-Fetischisten.

So sind wir – zu wunderbar übersetzten, ironischen, märchenhaften Erzählerversen aus dem Off – hin- und hergerissen zwischen bunter Faszination und Weihnachtsüberdruss und der Grinch hat unsere heimliche Sympathie beim Versuch, den Leuten Weihnachten diesmal gründlich zu versauen.

Ist Weihnachten grausam?

Er verkleidet sich als Weihnachtsmann, zwängt seinen treuen Hund Max ins Kostüm eines Rentiers, dringt so als scheinbar willkommener Gast nachts heimlich durch die Kamine in die Häuser ein und klaut generalstabsmäßig geplant allen Weihnachtsplunder.

An modernen Elementen gibt es das Mädchen, dass sich zu Weihnachten nur wünscht, das ihre alleinerziehende Mutter entlastet wird. Und es ist dieser nichtkommerzielle Wunsch, der den Grinch zum ersten Mal nachdenklich macht. Auch wird klar psychologisiert, dass Grinchs Weihnachtshass durch seine Einsamkeit motiviert ist, die das Fest der Familie und des Gemeinschaftsgefühls für ihn als Einzelgänger besonders grausam macht.

Wie eine Schlichtenfahrt ohne Hektik

Aber es steuert natürlich alles auf ein gemeinschaftliches Happy End zu – sogar mit Geschenken. Denn ganz ohne die geht's halt doch nicht, wenn's feierlich und fröhlich zugehen soll. Und auf dem Marktplatz erklingen bekannte, von allen zusammen gesungene Weihnachtslieder.

Das alles ist rührend, aber eben nicht rührselig erzählt, niemals behäbig, sondern überbordend ohne überladen zu sein und rasant wie eine gute Schlittenfahrt, aber ohne Hektik. Und so ist der Geist der Weihnacht wirklich gerettet und das sogar – wenn gewünscht – in unaufdringlicher, aber intensivierender Dreidimensionalität.


Kino: Cadillac sowie Leopold, Mathäser, Cinemaxx, Royal (auch 3D) und Cinema (OV, auch 3D), Museum (OV), R: Yarrow Cheney, Scott Mosier (USA/F, 90 Min.)

 

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