AZ-Filmkritik Das etruskische Lächeln: Versöhnungssoße statt Tiefe

Rory (Brian Cox) schließt seinen Enkel in die Arme und ins Herz. Foto: unbekannt

Ein Mann lernt erst spät das Leben zu lieben: Die Romanverfilmung "Das etruskische Lächeln".

 

Rory MacNeil (Brian Cox) ist ein alter, schottischer Haudegen, der fest mit den Traditionen seiner Heimat und den patriarchalen Männlichkeitsvorstellungen verbunden ist. Aber als ein Krebsleiden das Leben des 72-Jährigen bedroht, macht er sich auf nach San Francisco, wo sein Sohn Ian (JJ Feild) lebt und er auf eine bessere ärztliche Versorgung hofft. Das Verhältnis des autoritären Vaters zum Sohn war immer schwierig. Nicht umsonst baute sich Ian am anderen der Ende der Welt eine neue Existenz auf. Voller Missbilligung blickt Rory auf das verweichlichte Leben seines Sohnes, kann sich aber dem Charme des kleinen Enkelsohnes nicht entziehen.

Eigentlich baut "Das etruskische Lächeln" auf einer durchaus interessanten Figurenkonstellation auf. Der alte Patriarch, der von einer Krankheit geschwächt sein Dorf verlässt, und der Sohn, der ein modernes städtisches Leben führt, bieten einiges an Konfliktpotenzial. Aber die Regisseure Oded Binnun und Mihal Brezis, die dem Roman des spanischen Autors Jose Luis Sampedro folgen, verschenken die Möglichkeiten auf ein differenziertes Ausloten des Vater-Sohn-Konfliktes, indem sie sich von Anfang an auf die Seite des alten Mannes schlagen.

Die emotionale Tiefe bleibt nur eine leere, plakative Behauptung

Ians Leben in San Francisco wird überdeutlich als entfremdete Existenz vorgeführt: Die Inneneinrichtung des Apartment im 15. Stock erstarrt in klinischer Kälte. Das junge Paar erzieht sein Kind streng nach absurden Erziehungsratgebern. Und natürlich muss der Vater Ians kulinarische Kreationen aus der Molekularküche gleich wieder ausspucken.

Von der parteilichen Gegenüberstellung der Lebensentwürfe schwenkt der Film dann angesichts des nahenden Todes des alten Mannes auf einen sentimentalen Versöhnungkurs. Dass der Sohn unter dem bärbeißigen Grantler gelitten hat, wird angedeutet, aber ebenso schnell wieder vergessen, wenn die übersichtliche Dramaturgie Richtung universaler Vergebung marschiert. Die emotionale Tiefe, die der Film so stolz vor sich herträgt, bleibt nur eine leere, plakative Behauptung.


Kino: Sendlinger Tor, Rex, R: Oded Binnun, Mihal Brezis (USA, 108 Min.)

 

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