AZ-Filmkritik "Bauer Unser": Der Zwang zu wachsen

Ein Milchbauer, der noch nicht aufgegeben hat. Foto: Verleih

"Bauer Unser“ zeigt Probleme nicht nur der österreichischen Landwirtschaft auf.

 

"Ein Liter Milch ist inzwischen billiger als ein Liter Mineralwasser“. Ein österreichischer Bauer schaut etwas resigniert in die Kamera und schildert seine eigene Situation. Seit einer Regeländerung im Jahr 2015 ist es jedem Bauern erlaubt, so viel Milch zu produzieren, wie er möchte. Das führte zu einer Überschwemmung des Markts – und zu einem Verfall der Preise.

"Der Preis wird durch Angebot und Nachfrage gebildet. Das war schon immer so“, so Josef Braunshofer, Geschäftsführer von Berglandmilch. Dies setzte einen Teufelskreis in Gang: Um konkurrenzfähig zu bleiben mussten die Preise gesenkt werden. Und um nicht Pleite zu gehen haben die Bauern wieder mehr Milch produziert.

Es entstand ein "Zwang zu wachsen“. Wer nicht mitzieht, fällt den großen Konzernen zum Opfer. So haben Bauern ohne technische Unterstützung quasi keine Chance mehr auf einen Platz im Ladenregal.

"Bauer Unser: Billige Nahrung – teuer erkauft“ nähert sich einem wichtigen Thema der Gegenwart neutral. Um keine Beeinflussung bei der Meinungsbildung auszuüben, wird auf eine kommentierende Stimme aus dem Off verzichtet. Einzig die Interviewten geben ihre Meinung ab. Weil in guter Mischung die Meinungen von Betroffenen und Experten gegenübergestellt werden, entsteht ein ausgeglichener Dokumentarfilm. Nebenher werden teils blutige Bilder gezeigt: Der Zuschauer verfolgt den Weg vom jungen Schwein bis hin zum verpackten Steak.

Robert Schabus’ Film zeigt unaufgeregt die Probleme der heutigen Bauernhöfe auf. Er lässt am Ende trotz neutraler Herangehensweise nur einen Schluss zu: So wie bisher kann es nicht weitergehen!


Kinos: City Filmtheater, Monopol am Nordbad

R: Robert Schabus (A, 95 Min.)

 

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