AZ-Filmkritik "Aquaman": Dreizack und Hai-Ritt

Jason Mamoa ist der "Aquaman". Foto: Warner Bros

Öko-Action und der Traum von Atlantis: Die wilde, etwas überladene Comicverfilmung "Aquaman".

 

Mikroplastik, Makro-Müllhalde, Massensterben von Walen. Die Negativschlagzeilen rund um das fragile Ökosystem Meer ebben nicht ab. Doch was wäre, wenn dieser immer noch nicht bis in alle Tiefen erforschte Lebensraum zurückschlagen, die Kloake in gigantischen Tsunamis einfach ans Land werfen würde.

Ein apokalyptisches Hirngespinst, aber in Hollywoods neuester Comic-Verfilmung "Aquaman" im Bereich des Möglichen. Denn in diesem 200 Millionen Dollar teuren Weltentwurf, der sich frech bei der antiken Sagenwelt um den Meeresgott Poseidon bedient, existiert unter dem Wasserspiegel eine weitere Welt: Atlantis.

Die Unterwasserwelt vor dem Krieg gegen die Menschheit

Einst eine Hochkultur, dann wie das späte Rom unter der Hybris des Menschen untergegangen, herrscht nun der Königssohn Orm (Patrick Wilson) über die futuristische, leider zu kurz beleuchtete Unterwasser-Zivilisation, die mit ihren floralen Jugendstilformen und fluoreszierenden Farben architektonisch an Camerons "Avatar" erinnert.

Gemeinsam mit sechs anderen Königreichen möchte sich Orm an den menschlichen Umweltsündern rächen und sich nebenbei zum Alleinherrscher ernennen. Nur Aquaman kann ihn davon abbringen, wenn er sich im Zweikampf als neuer König durchsetzen sollte.

Kann mit Fischen sprechen: Aquaman

Bis es zum Duell im Blubber-Circus-Maximus kommt, muss die Herkunft von Aquaman erst im kitschigen Weichzeichner-Vorspiel erklärt werden die Mutter ist die geflohene Atlantis-Königin (Nicole Kidman), der Vater einfacher Leuchtturmwärter (Temuera Morrison). Comicfans haben diesen Aquaman als Mitstreiter neben Batman und Wonder Woman bereits kennengelernt. Wie Marvels Thor ist Aquaman eine durchaus charmante, volltätowierte physische Erscheinung, allerdings von schlichtem Gemüt.

Um diesen mit Jason Momoa ("Game of Thrones") trefflich besetzten Muskelprotz, der unter Wasser atmen und mit allen Meerestieren telepathisch kommunizieren kann, als Comic-Rockstar zu inszenieren, scheut Regisseur James Wan weder vor Zeitlupen noch vor einem albernen Gitarrenriff in Actionszenen zurück.

Amüsant und trashig

Ähnlich krude ist auch der Tonfall dieses durchaus amüsanten, oft aber auch trashigen Spektakels. Denn neben rasanten Unterwasserkämpfen auf dressierten Seepferdchen oder Haien, muss auch noch an Land eine Indiana-Jones-mäßige Schnitzeljagd nach einem ominösen Dreizack erzählt werden. Nicht zu vergessen ein bemüht lustiges Techtelmechtel von Aquaman mit der rothaarigen Meeresprinzessin Mera (blass: Amber Heard). Wobei ein schießwütiger Pirat den beiden immer dazwischenfunkt.

Die schier endlose Palette an Genres, Figuren und Handlungssträngen überflutet am Ende fast die Stärke der angestrengt gehetzt wirkenden Comicverfilmung: Mit Aquaman einen Helden zu präsentieren, der im Gegensatz zu Superman & Co., eine durchaus wohltuende Eigenschaft besitzt – Selbstironie.

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Kino: Münchner Freiheit, Royal, Cinemaxx (alle auch 3D) sowie Gloria, Mathäser und Cinema (OV, auch 3D), Regie: James Wan (USA, 143 Min.)

 

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