AZ-Filmkritik "Antonio, ihm schmeckt's nicht": Nicht nur ein Reise-Malheur

Selfie mit Störenfried: Christian Ulmen und Mina Tander als Ehepaar und mit seinem Schwiegervater (Alessandro Bressanello) in New York. Foto: Fox

Ungenießbar? „Antonio, ihm schmeckt’s nicht“ als gezwungene, grobhumorige Bestseller-Fortsetzung von "Maria, ihm schmeckt's nicht ".

 

Die eigentlichen Katastrophen des deutschen Films kommen ja meistens lachend daher, wie Marco Kreuzpainters „Stadtlandliebe“ letzten Kinomonat erneut bewiesen hat. Sven Unterwaldts „Antonio, ihm schmeckt’s nicht“ spielt in derselben Liga deutscher Massengeschmacksunterhaltung, wenn auch eher im Bereich der besser Platzierten.

Mit „Siegfried“, „7 Zwerge“ und „Otto’s Eleven“ hat Unterwaldt die Untiefen des heimatlichen Lustspielwesens niveaufrei kommerziell bereits erfolgreich erforscht. Die liebenswerte Kinderbuchverfilmung „Hilfe, ich hab meine Lehrerin geschrumpft“ weckte die Hoffnung, aber mit „Antonio, ihm schmeckt‘s nicht“ begibt sich Unterwaldt erneut auf das Gebiet infantiler Erwachsenenunterhaltung.

Tragikomik? Nein, eine schleppende Pannen-Nummernrevue

Der Film ist eine Fortsetzung von Neele Leana Vollmars Kinoerfolg „Maria, ihm schmeckt’s nicht“ nach dem Bestseller-Roman von Jan Weiler. Die Kultur-Kampf-Komödie zwischen dem, wie wir uns Südlander und dagegen uns deutsche vorstellen, ließ mit voller Wucht vor dem Hintergrund der Hochzeit zwischen dem niederrheinischen Sachbuchlektoren Jan (Christian Ulmen) und der temperamentvollen Halbitalienerin Sara (Mina Tander) die ethnischen Klischees aufeinander krachen. Was zu einem eher grobhumorigen Endergebnis führte.

Gerettet hat den Film damals der italienische Komödiant Lino Banfi, der die Figur des nach Deutschland eingewanderten Schwiegervaters nuanciert zum tragikomischen Helden ausbaute. In der Fortsetzung gerät dieser Antonio Marcipane – nun gespielt von Alessandro Bressanello – noch stärker ins Zentrum des komödiantischen Interesses, verliert aber paradoxerweise dadurch zunehmend an Tiefe und wird nur noch als redundanter Störfaktor in Gebrauch genommen.

Mittlerweile ist Sara hochschwanger. Sie denkt – wie es das Klischee will – im Hormonrausch nur noch an Kinderwagenmodelle und Hechelkurse, während Jan dem Umbau seines Home-Office zum Kinderzimmer tatenlos betrauert. Bevor es soweit ist, will er mit Sara noch die ausgefallene Hochzeitsreise nach New York nachholen, was aus schwer nachzuvollziehenden Gründen vom Schwiegervater torpediert wird.

Fantasiereduziertes Setting, das alle klischeehaften Reisemalheurs abklappert

Aus diesem fantasiereduzierten Grundsetting entwickeln nun Unterwaldt und sein Drehbuchautor Daniel Speck eine schleppende Nummernrevue, die von Auseinandersetzungen mit Flughafen-Security und US-Einwanderungsbehörden über die schwiegerväterliche Invasion der Honeymoon-Suite bis zum Verlust der Kreditkarten alle bekannten Reisemalheurs durchbuchstabiert. Hundert Prozent überraschungsfrei stolpert dieses Lustspiel durch die Straßen von New York. Man glaubt die Dialoge mitsprechen zu können, noch bevor die Schauspieler Luft geholt haben, und immer wenn man hofft, dass die Filmemacher vielleicht diese eine vorhersehbare Drehbuchverwicklung auslassen, kommt sie auch schon kalauernd um die Ecke geschlürft.

Besonders peinlich wirken die küchenpsychologischen Motivationen der Charaktere, die den Hass der Tochter auf den Vater notdürftig mit frühkindlichen Lügengeschichten motivieren und dessen Emigrantensehnsüchte mit Millionärsklischees bebildern, um am Schluss alles wieder schnell in biederem Wohlgefallen auflösen zu können.

 

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