AZ-Filmkritik "Alpha": Der beste Freund des Eiszeitmenschen

Keda (Kodi Smit-McPhee) und sein Freund Alpha. Foto: Sony Pictures

"Alpha" versucht, die Domestizierung des Wolfs in 100 Minuten zu erzählen. Immerhin sind die Bilder stark.

Mitten in den Kino-Sommer mit Superhelden und Actionthrillern platzt ein fast wortloser Film über eine Freundschaft vor 20.000 Jahren. Beide Hauptdarsteller sind schweigsam: Keda ist ein junger Jäger, der sich mit simplen Wortbrocken einer Eiszeit-Sprache verständigt. Der titelgebende "Alpha" ist ein heulender Wolf, der anfangs furchterregend knurrt und die Zähne fletscht.

Dies sei die unglaubliche Geschichte, wie die Menschheit ihren treuesten Freund fand, so das großspurige Versprechen des Film-Trailers. Katzenfreunde mögen "Alpha" wenig abgewinnen, doch Hundefans kommen bei diesem eiszeitlichen Überlebensdrama zumindest stellenweise auf ihre Kosten.

"Alpha" kann mit "The Revenant" mithalten

"Alpha" ist kein rührseliges Disney-Vergnügen. Vielmehr gibt es nervenaufreibende Szenen, die mit dem Survival-Drama "The Revenant" mithalten können. In den USA ist der Film, der eigentlich ein Kinder-Publikum ansprechen sollte, erst ab 13 Jahren freigegeben.

Zu sehen ist Europa vor 20.000 Jahren, mit grandiosen Aufnahmen von Mammut-Herden, riesigen Wasserfällen und feuerspeienden Vulkanen. Ein Stamm unter Anführer Tau (Johannes Haukur Johannesson) schickt die besten Jäger auf Büffeljagd. Erstmals nimmt Tau seinen eher sanften Sohn Keda (Kodi Smit-McPhee) mit, dessen Mutter (Natassia Malthe) befürchtet das Schlimmste. Der Junge führe durch sein Herz, nicht durch den Speer, warnt sie. Das ist fast der ganze Text, den die Schauspielerin für den Film zu lernen hatte.

In einer spektakulären Jagdszene geht dann für Keda auch alles schief. Der junge Höhlenmensch stürzt über eine Klippe, und die Gruppe lässt den Totgeglaubten zurück. Die Odyssee, die nun folgt, ist kaum zu überleben: mit reißenden Fluten, eisigen Schneestürmen, gefährlichen Bestien und mageren Würmern als Mahlzeit. Mit selbstgebastelten Speerspitzen wehrt Keda ein Rudel Wölfe ab, doch bald hat er Mitleid mit einem verletzten Tier. "Ich nenne dich Alpha", murmelt er dem knurrenden Wolf zu.

So entwickelt sich eine Freundschaft, die trotz Ungereimtheiten, Vorhersehbarkeit und einem zuckersüßen Ende zumindest Hundefreunden ans Herz geht. "Alpha"-Regisseur Albert Hughes fängt mit seinem Kameramann, dem Österreicher Martin Gschlacht, großartige Bilder ein. Vor allem im Imax- und 3D-Format zieht "Alpha" in seinen Bann. Das macht die eher einfach gestrickte Story von Regisseur Hughes wett, der gerne die komplexe Materie über die Domestizierung des Hundes in knapp 100 Minuten erklärt hätte.


Kinos: Cinema (2D und 3D, OV), Mathäser (2D und 3D, auch OV), Münchner Freiheit (3D), Museum-Lichtspiele (2D, OV) | R: Albert Hughes (USA, 97 Min.)

 

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