AZ-Filmkritik Alexander McQueen - Der Film": Das früh verbrannte Genie

Ausgelassen nach der Show: Alexander McQueen und Kate Moss. Foto: Prokino Filmverleih/Ann Deniau

Die Dokumentation "Alexander McQueen – Der Film" blickt offen und schonungslos auf den Modeschöpfer und seine Traumwelten.

"Meine Shows handeln von Sex, Drugs und Rock’n Roll. Mir geht es um Aufregung und Gänsehaut. Ich will Herzinfarkte. Ich will Rettungswagen." Das ist der erste Satz, den man von Lee Alexander McQueen hört. Der Sohn eines schottischen Taxifahrers aus dem Londoner East End legte eine Karriere wie aus dem Bilderbuch hin, schaffte es auf den internationalen Mode-Olymp.

Weggefährten, Freunde und Familie erzählen von einem außergewöhnlichen Menschen, der mit verrückten Ideen die Modewelt schockte und begeisterte, an seiner Seite die exzentrische Isabella Blow, Mäzenatin und Muse.

Der Mode-Punk, der den Ruhm nicht verkraftete

Die Filmemacher Ian Bonhôte und Peter Ettedgu zeichnen in sechs chronologisch aufeinander folgenden Kapiteln die Höhen und Tiefen dieses "enfant terrible".

Vom pummeligen Jungen, der schon früh für seine Schwestern die Garderobe schneiderte, die Lehrer des berühmten St. Martins College provozierte und als Mode-Punk Furore machte, aber die Folgen des schnellen Ruhms nicht verkraftete.

Suizid am Tag vor der Beerdigung seiner Mutter

Absturz in Drogen, Einsamkeit und unglückliche Liebe, trauriger Suizid mit 40 – am Tag vor der Beerdigung seiner Mutter im Februar 2010. Die Macher erforschen in diesem emotional intensiven Porträt die dunkle, aber auch träumerische Seite McQueens, verwenden Material aus Film-, Foto- und Audio-Archiven sowie Interviews, in denen das Genie offen und vielleicht mehr zufällig sein Inneres offenbart.

Niemand entdeckte ihn, er hat sich selbst entdeckt, wie es ein Freund des Star-Designers auf den Punkt bringt. Viele Geschichten spinnen sich um seine fantastischen und spektakulären Shows wie "Highland Rape" 1995, nach der die Presse ihn sensationslüstern als sexistischen Rüpel bezeichnete, der Gewalt gegen Frauen verherrliche. Was er mitnichten tat.

Die erste Show eine Katastrophe

Aber diese Negativ-Werbung weckt Neugier. Als 27-Jähriger und mit acht gefeierten Kollektionen engagierte ihn das Luxus-Label Givenchy in Paris, keine glückliche Zeit für den Mode-Rebellen. Seine erste Show in Gold und Weiß im Traditionshaus empfanden die konventionellen Franzosen als Katastrophe. Aber er verdiente so viel Geld, dass er seine Schulden abzahlen und seine eigene Marke in London finanzieren konnte.

Seine Kollektionen hatten immer einen autobiografischen Touch und einen Bezug zu seiner Sexualität, ein Mittel, sich mit der "eigenen Person zu arrangieren", wie er bekannte.

Alexander McQueen: Liebte seine Mitarbeiter und beutete sie aus

Die Hommage ist keine Verklärung, sondern zeigt einen sich zerrissenen, zutiefst misstrauischen und scheuen Menschen. Wenn es mit dem Mann, mit dem er gerade zusammen war, nicht klappte, brach für ihn eine Welt zusammen.

Er beutete Mitarbeiter aus und kujonierte sie, behandelte sie dann aber wieder liebevoll und respektvoll. Ein Visionär, der auf der Welle ritt und bemerkt: "Für mich ist das Leben ein bisschen wie die Märchen der Gebrüder Grimm". Ein Märchen ohne Happy End. Der Rettungswagen kam zu spät.


Kino: Astor Lounge, sowie City, Münchner Freiheit und Monopol (OmU), Museum (OV), R: Ian Bonhôte und Peter Ettedgu (GB 110 Min.)

 

0 Kommentare

Kommentieren

  1. null