AZ-Filmkritik "40 Tage in der Wüste": Wahrer Mensch

Ja, er ist Jeshua (Ewan McGregor) Foto: Tiberiusfilm

Teufelskampf und Generationskonflikt: McGregor als Jesus in "40 Tage in der Wüste".

Dieser von Hunger und Strapazen gezeichnete Mann ist Jesus. Wüsste man es nicht, könnte es eine beliebige arme Person sein auf einem Höllenmarsch durch die Wüste. Sein einziges Lachen entwickelt sich zu einem wahnsinnigen Schrei gen Himmel. Dieser Jesus in "40 Tage in der Wüste" von Rodrigo García hat nichts Übermenschliches. Und ist darum besonders interessant.

García ("Albert Nobbs") verfilmt hier eine eigentlich kurze Bibelstelle. Jesus (Ewan McGregor) geht für vierzig Tage in die Wüste, um beim Fasten und Beten Erleuchtung zu bekommen. Was er allerdings bekommt, ist die Gesellschaft des Teufels, der Zweifel in seinem Herzen säen will. Dass dieser ebenfalls von McGregor gespielt wird, ist ein wunderbarer Einfall. Sein Kampf ist einer mit den eigenen Dämonen.

Auf diesem Grundgerüst erweitert García die Handlung: Jesus begegnet einer Familie, ebenfalls mit stillen Konflikten beladen. Der Vater (Ciarán Hinds) plant für seinen Sohn (Tye Sheridan) ein Dasein in der Wüste, der Hausbau dafür hat bereits begonnen. Verständlicherweise hat der Junge keine Lust nach dem Vorbild seines Vaters zu leben. Er will in die Stadt: nach Jerusalem! Jesus bleibt bei ihnen, hilft bei der Errichtung des Hauses und versucht sich als Vermittler – selbst wenn ihn die eigenen Ängste nicht loslassen.

Das Ganze könnte wunderbar funktionieren, aber leider beginnt sich die Handlung zu ziehen. García nutzt das Konfliktpotenzial nicht. Zwar sind in einem solchen Film Hysterie und Gekeife nicht angebracht, aber angesichts der gespannten Verhältnisse bleibt alles zu ruhig. So wird es schwer, Empathie aufzubauen. Man bleibt Beobachter. Der Grundstein für eine Auseinandersetzung mit Jesus und Vater-Sohn-Beziehungen ist gelegt. Das Gebäude darauf wackelt ein wenig.


Kino: Rottmann, Rio

R: Rodrigo Garcías (USA, 99 Min.)

 

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