AZ erklärt, was sich ändert Der (neue) Viktualienmarkt: Wie er wird, wie er war

Der Viktualienmarkt von der Reichenbachstraße gesehen, dies ist zugleich eine der Hautpachsen über den Markt. Foto: imago

Der Stadtrat fasst einen Grundsatzbeschluss zur Sanierung. Wir zeigen, wo was saniert, abgerissen oder neu gebaut wird. Und wie er einst aussah.

München - "Ganze Horden von Mitarbeitern sind damit beschäftigt gewesen", sagt Kommunalreferent Axel Markwardt gestern im Stadtrat. Er meint die Planungen für die Sanierung des Viktualienmarktes, an der seit Jahren gearbeitet wird. Etliche Beschlüsse hat der Stadtrat seit 2009 dazu bereits gefasst. Dementsprechend kurz war die Diskussion im Stadtrat, und groß die Erleichterung, dass dieser Grundsatzbeschluss nun endlich gefasst werden kann - einstimmig. Beachtlich sei es, dass man bei einem so zentralen Markt eine Einigung erzielen konnte, die alle Beteiligten mittragen, sagte Markwardt.

Der Viktualienmarkt zählt zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten der Stadt, ein Ort zum Schauen und Rasten, aber eben auch ein Markt, auf dem Menschen einkaufen, oder ihr Geld verdienen. Der Markt hat etwas heimeliges, einen speziellen Charme, auch deshalb hat der geplante Umbau viele aufgeschreckt.

Aber es hilft nichts: Gerade, um den Markt zu erhalten, brauche es eine grundlegende und umfassende Sanierung der Gebäude - baulich wie technisch, heißt es seit Jahren aus dem Kommunalreferat, dem die Münchner Märkte unterstehen.

Viele Gebäude stammen noch aus der Nachkriegszeit

Zwei Ziele sind dabei fix: Alle bisherigen Händler müssen auch weiterhin Platz haben. Und: der typische Charakter des Marktes darf trotz Modernisierung nicht verlorengehen.

Genau das ist die Herausforderung. Viele der Gebäude stammen aus der Nachkriegszeit, die Anforderungen an Hygiene, Waren-, Arbeits- und Brandschutz und der Flächenbedarf für Lager und Auslagen haben sich verändert. Gleiches gilt für die Infrastruktur: Viele Standl haben keinen eigenen Wasseranschluss, der Markt hat kaum Personaltoiletten und nur sehr wenige für Besucher, keine davon ist barrierefrei.

Die Machbarkeitsstudie, die nun Grundlage für den Stadtratsbeschluss ist, und in die Befragungen der Händler und ein Bürgergutachten einflossen, erläutert deshalb ausführlich, wie die Sanierung aussehen soll und dass es auch nicht ganz ohne Abrisse und Neubauten geht.

Die wichtigsten Punkte: Die Marktfläche umfasst knapp 18.000 Quadratmeter und ist in sieben Abteilungen unterteilt. Der ganz große Teil des Marktes wird im Bestand saniert. Die Umbauten betreffen vor allem die Abteilungen 2 und 6.

Das Café Nymphenburg muss abgebrochen werden

In der Abteilung 2, zwischen Blumenstraße und Rosental, soll eine zentrale Kelleranlage mit bis zu 900 Quadratmetern Fläche entstehen, für zusätzlichen Lagerraum, sowie Toiletten und Personalräume. Das darüber liegende Café Nymphenburg muss deshalb abgebrochen werden. Es bekommt aber einen größeren Neubau, dann ohne Zeltplanen, und einen Lastenaufzug zum neuen Untergeschoss. Die zeltartigen Marktstände werden vorübergehend anderswo auf dem Markt untergebracht. Im Westen entsteht ein weiterer Neubau.

In der Abteilung 6, an der Westenriederstraße und Frauenstraße, bleiben die vier Bauten aus den 50er Jahren an der Verlängerung Reichenbachstraße bestehen. Dahinter bleiben drei kleine zeltartige Marktstände ebenfalls stehen, daneben muss die ehemalige Kuttlerhalle mit den Fischhändlern mindestens kernsaniert werden. Das "Tankstellendach" entlang der Frauenstraße soll abgebrochen werden.

2021 soll der Umbau schrittweise und bei laufendem Betrieb losgehen.


Der Viktualienmarkt auf einer Postkarte von 1901.
Der Viktualienmarkt auf einer Postkarte von 1901. Foto: Stadtarchiv

Der Viktualienmarkt anno dazumal: Ein Bauernmarkt mit Trambahn-Schneise

Die AZ blickt auf die bewegte Geschichte des Marktes seit dem frühen 19. Jahrhundert.

Historische Bilder zeigen Bretterverschläge, Lumpen-Vorhänge und Schirme, später parkende Autos zwischen Markständen, Straßen und eine Trambahn mittendurch.

Der Viktualienmarkt hat sich immer schon verändert, nicht nur vom Bauernmarkt zum Feinschmecker-Treff und Touristen-Ziel, sondern auch baulich.

Seit 1807 gibt es den Viktualienmarkt an der heutigen Stelle, weil der alte Münchner Stadtmarkt vom Schrannenplatz, heute Marienplatz, verlegt wurde. Verfügt wurde das von König Max I. Joseph höchstselbst, der dafür eigens Benefizhäuser von Heilig Geist abbrechen ließ. Schon 1823-29 wurde der Markt erweitert, 1885 sogar das Heilig-Geist-Spital abgerissen und die Kirche nach Westen verlagert.

Seit 1870 gab es die festen Stände, vorher wurden die Plätze täglich neu vergeben. Lagepläne zur historischen Entwicklung zeigen, dass es immer wieder Versuche gab, den Markt baulich zu ordnen, der Handelsbetrieb hatte immer die Tendenz, zu "wuchern". Auch von hygienischen, und logistischen Probleme wurde immer wieder berichtet, die Stadt musste ordnend eingreifen.

Vor der U-Bahn fuhr die Tram durch den Viktualienmarkt

In den 1960er und 1970er Jahren wurde der Markt von einer anderen Entwicklung nachhaltig verändert: dem U-Bahnbau. Wie auch an vielen anderen Stellen in der Stadt wurde daraufhin die Tramlinien, die – heute unvorstellbar – über den Markt führte, stillgelegt und eine Fußgängerzone eingerichtet.

Dadurch veränderten sich die Flächen: Es entstanden neue, öffentliche Freiräume, der neue Biergarten wurde zum Mittelpunkt des Marktes, die Wirkung der ehemaligen Straßen löste sich auf. Vor 1970 war der Markt noch fast kahl, es wurde viele Bäume gepflanzt. Heute stehen hier an die 50. So veränderten sich auch die Sichtachsen und Blickbezüge.

Heute ist der gesamte Markt Teil des geschützten Bauensembles "Altstadt München". Der Platz wird von vielen Einzelbaudenkmälern, etwa an der Frauenstraße, Blumenstraße, der ehemaligen Freibank, und der Prälat-Zistl-Straße gesäumt.

Unter fast dem gesamten Markt befinden sich Bodendenkmäler. Die ehemaligen Stadtbäche sind zugeschüttet. Im Bett des ehemaligen Stadtgrabenbachs (Abteilung 6) liegt eine Fernwärmeleitung.

 

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