AZ erklärt die Ergebnisse Aufsichtsratssitzung des TSV 1860: Der Alibi-Burgfrieden

Zwei Seiten, ein Verein: Löwen-Präsident Robert Reisinger (l.) und Investor Hasan Ismaik, der erneut Darlehen in Millionenhöhe stundet. Foto: Rauchensteiner/Augenklick

Bei der Aufsichtsratssitzung der Löwen wurde unter anderem beschlossen, dass Investor Ismaik Darlehen in Millionenhöhe stundet - andere Entscheidungen wurden vertagt. Die AZ erklärt, was passiert ist.

München - Alles soll an der Grünwalder dem möglichen Aufstieg untergeordnet werden. Es sind schließlich nur noch wenige Tage bis zur Relegation des TSV 1860 beim und gegen den 1. FC Saarbrücken (24.5./27.5., im AZ-Liveticker). Nebenschauplätze werden ausgeblendet, auch der wohl größte: der Clinch zwischen den beiden Gesellschaftern.

So wurde das Miteinander zwischen Mehrheitseigner Hasan Ismaik und dem Verein um Präsident Robert Reisinger am Donnerstag nach der mit Spannung erwarteten Aufsichtsratssitzung am Abend zuvor als vermeintlich einträchtiger Burgfrieden verkauft. Nur: Erleben die Giesinger wirklichen Fortschritt? Oder gleicht das Szenario eher einem Alibi?

Die AZ erklärt, worum es ging, was entschieden wurde – und was nicht:

Worum ging es? Zum einen um die nächste Stundung von Darlehen durch Ismaik, die die KGaA - sportlicher Erfolg hin oder her - 2019 zwangsläufig in die Insolvenz gestürzt hätten. Ferner um die Stundung eines Darlehens durch den Verein. Und um das mögliche Sponsoring des Investors. Die "Bild" hatte jüngst berichtet, dass Ismaik dazu bereit sei, weitere vier Millionen in die chronisch klammen Löwen zu investieren - als Sponsoring. Wie 1860 nun mitteilte, haben die Gesellschafter "richtungsweisende Entscheidungen" zur Fortführung der Gesellschaft "einstimmig getroffen". Sechzig blieb verklausuliert.

Wer hat aktuell die wichtigste Rolle? Nicht Ismaik. Auch nicht sein Bruder Yahya als Aufsichtsratsvorsitzender. Und auch nicht Oberlöwe Reisinger. Es ist Karl-Christian Bay. Der Wirtschaftsprüfer ist Präsidiumsbeauftragter im sechs Mann großen Aufsichtsrat, genießt aber das Vertrauen und - wichtiger - die Akzeptanz beider Seiten. Er soll Mediator sein, vermitteln.

Was wurde entschieden? Dass beide Seiten Darlehen stunden - überlebenswichtig für die KGaA! Und entscheidend für Geschäftsführer Michael Scharold. Dieser hat die positive Fortführungsprognose von Vorgänger Markus Fauser modifiziert, zum Beispiel die Kapazitätserweiterung im Grünwalder Stadion zur neuen Saison von 12.500 auf 15.000 Zuschauer berücksichtigt. Zumindest er brauchte Planungssicherheit, für die Dritte Liga - oder für die Regionalliga Bayern. Weitere Gelder von Ismaik sind in seiner Prognose nicht vorgesehen.

Aber: Der Jordanier stundete nach AZ-Informationen Darlehen in Höhe von 15 bis zu 20 Millionen Euro. Diese wären demnach im kommenden Jahr fällig geworden, und hätten Scharolds Planspiele mit einem Schlag zunichtegemacht. Auch der Verein stundete als zweiter Gesellschafter den Informationen zufolge, und zwar einmalig 600.000 Euro aus dem Servicevertrag mit der KGaA.

Was wurde nicht entschieden? Das mögliche Sponsoring Ismaiks! Und das wäre, nach aktuellen Kriterien, extrem wichtig für die Planspiele von Löwen-Coach Daniel Bierofka und Sportchef Günther Gorenzel. Wie die AZ erfuhr, ist die offiziell beschriebene Harmonie wohl eher Makulatur. Die Vereinsseite soll enttäuscht darüber sein, dass zum Sponsoring keine finale Entscheidung getroffen worden sei. Demnach gebe es mündliche Zusagen mehrerer potenzieller Neuzugänge, die ohne weitere Mittel des Mehrheitseigners aber wohl nicht oder nur schwer finanziert werden können.

"Für die Bereitstellung weitgehender finanzieller Mittel zur Stärkung der sportlichen Wettbewerbsfähigkeit finden zeitnah weitere vertrauensvolle Gespräche zwischen den Gesellschaftern statt, die den sportlichen Erfolg der Zukunft, unabhängig von der Liga, sichern sollen", hieß es in der Mitteilung dazu. Markant: Sechzig vergraulte in der Vergangenheit nicht selten potenzielle Neuzugänge, weil verbindliche Abmachungen nicht vereinbart werden konnten.

Wiederholt sich dieser Makel schon wieder? Die Ergebnisse der Aufsichtsratssitzung sind zumindest wohl vor allem eines: ein Alibi-Burgfrieden.

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