AZ-Doppelinterview Sägebrecht und Glas: "Wir sind auf einer Wellenlänge"

Marianne Sägebrecht (72, "Out of Rosenheim") und Uschi Glas (74, "Zur Sache, Schätzchen" - rechts) mit AZ-Redakteurin Kimberly Hoppe (links). Foto: API/Michael Tinnefeld

AZ exklusiv: Das sagen die beiden Schauspiel-Größen Marianne Sägebrecht und Uschi Glas im ersten Doppel-Interview über München, Männer und mehr...

 

Die beiden Stars haben in "München Grill" von Franz Xaver Bogner Gastauftritte - Frauenpower eben. Die Serie läuft freitags um 20:15 Uhr im Bayerischen Fernsehen.

AZ: Liebe Frau Glas, liebe Frau Sägebrecht, die erste Frage geht an Sie beide: Wie stehen Sie überhaupt zueinander?
USCHI GLAS: Leider haben wir noch nie miteinander gedreht.
MARIANNE SÄGEBRECHT: Wir trafen uns paar Mal ...
UG: ... in Offenburg zuletzt.
MS: Da saßen wir beim Bambi an einem Tisch. Vor meiner Seite aus habe ich absolute Verehrung für die Uschi übrig. Ich darf schon du sagen, oder?
UG: Na, unbedingt!
MS: Wir haben gleich gemerkt, dass wir auf einer Wellenlänge sind. Total schön. Uschi spielt bei "Fack ju Göhte" eine Lehrerin, engagiert sich sehr für Kinder. Auch ich umgebe mich gern mit Kindern, kümmer mich und spiele für sie, wie in den "Pettersson und Findus"- Filmen. "Fack ju Göhte" muss ich mir endlich anschauen.
UG: Manche haben wegen des Titels Berührungsängste.
MS: Ich nicht. Aber ich hol mir lieber die DVD, als ins Kino zu gehen. Mein Enkel hat von allen drei Teilen geschwärmt.
UG: Das freut mich. Ich habe von der Marianne natürlich viel gesehen, "Out of Rosenheim", eh klar. Ich habe auch immer ein bisserl neidisch auf dich geschaut, weil du hattest und hast tolle Projekte. Internationale Filme, wo man sagt: Boah, das hätte ich auch gerne gemacht! Ich bewundere sie wirklich sehr. Marianne ist absolut einmalig.
MS: Ich pass sehr auf, was ich mach und was nicht. Oft werde ich verlacht. Dann heißt es, ach, die hat sie nicht alle, die sagt die großen Projekte ab.

Sie haben Hollywood einen Korb gegeben.
MS: Ja, aber das bereue ich keine Sekunde. Ich hätte als Schauspielerin in Hollywood in die Gewerkschaft gemusst, hätte einen Zusatzvertrag für fünf Jahre unterschreiben und dort bleiben müssen ...
UG: ... um dann nur den ewigen Nazi spielen zu dürfen.
MS: Genau. Ich wollte mich nicht verkaufen. Ich sagte: Sorry, ich habe eine Familie. Die ist mir wichtiger. Meine Tochter, meine Mutter. Ich setz mich nicht fünf Jahre nach Hollywood, drehe Däumchen und hoffe, dass jemand anruft. Trotzdem hat es Danny DeVito geschafft, dass ich in "Der Rosenkrieg" mitmachen konnte. Irgendwann rief auch ein Agent an, sagte: "They took you." Ah, interessant, wer denn? Woody Allen, Freitag geht es los, meinte er. Ich wusste nicht mal, welche Rolle. Ich verehre Woody, aber lehnte ab, denn ich hätte einen Vertrag mit dem engagierten Hans Abich für ein Symposium zur Rettung des Autorenfilms in den 80ern, nach der großen Ära von Fassbinder und Herzog brechen müssen. Später erfuhr ich, dass ich eine Prostituierte gespielt hätte und Woody wäre mein Kunde gewesen. Mei. Mein Agent verstand es nicht, er sagte, für Woody würden alle barfuß übers Meer laufen.

Michael Douglas sagte Ihnen beim "Rosenkrieg"-Dreh, dass er sexsüchtig ist. Stimmt das?
MS: Er sagte es bei einer Pressekonferenz. Das war ganz liebevoll. Wir haben heute noch Kontakt. Michael ist ein wunderbarer Mensch. Am Anfang fragte er mich aus, ob ich Single oder am Wochenende verbandelt sei. Ich erzählte ihm aus meinem Privatleben, da sagte er: Du bist unsere Schwester. Mit den Frauen sei es für ihn nicht einfach, weil er so unruhig sei. Ich meinte: Wo ist das Problem? Wenn du niemanden verletzt, leb es aus. Dann kam seine wunderbare Frau Catherine und alles war okay (lacht).

Uschi Glas: Familienplanung statt Hollywood

Welche Rolle von Frau Glas lieben Sie, Frau Sägebrecht?
MS: "Zur Sache, Schätzchen" hat eine ganze Ära geprägt. Ich habe das Gefühl, liebe Uschi, du spielst keine Rolle, du lebst sie.
UG: Daher sagen viele gern, ich würde mich oft selber spielen. Stimmt nicht. Ob ich eine Ärztin oder Bankerin spiele – ich verinnerliche das, möchte gern die Person sein, die ich spiele.

Frau Glas, haben Sie auch von Hollywood geträumt?
UG: Natürlich habe ich von Hollywood geträumt. Ich war damals bei der William Morris Agency, die wollten, dass ich rübergehe. Ehrlich gesagt, habe ich davor schon so viel gearbeitet und zu dem Zeitpunkt wollte ich unbedingt Familie haben. Außerdem konnte ich nicht sagen, hallo Hollywood, hier kommt die heilige Uschi Glas aus old Germany, sondern ich würde bei Null anfangen müssen. Kein Mensch kennt dich da. Ich war 28, wusste, ich müsste von vorn anfangen und du weißt nicht, ob's überhaupt läuft. Ich kannte damals ältere Kolleginnen, die mir erzählten, dass sie immer noch ein Engagement angenommen haben und irgendwann war es zu spät für eine Familie. Davor hatte ich total Angst. Das hat mich echt erschreckt. Wenn du ein Kind haben willst, aber keins kriegst! Hätte ja auch passieren können.
MS: Der Zeitstress beim Drehen ist nicht gerade förderlich.
UG: Ich wollte meine Familienplanung nicht Hollywood opfern – und nicht der Karriere. Ich stand immer wieder an einem Punkt, wo ich überlegen musste, was ich von meinem Ich, meiner Persönlichkeit der Karriere opfern will. Ich verstelle mich nicht. Ein sehr berühmter Regisseur hat zu mir mal gesagt, er würde gerne mit mir drehen, aber er würde mich zuerst brechen.
MS: Was?
UG: Fürchterlich. Ich sagte, danke, nein. Allein dieses Anliegen, jemanden erst fertigmachen zu wollen, war und ist mir fremd. Es muss Grenzen geben. Da hätten wir Ihre Hauptgemeinsamkeiten: Selbstbewusstsein und Familiensinn.
MS: Ja, genau.

Marianne Sägebrecht: Glücklicher Single

Wobei Sie, Frau Glas, glücklich verheiratet – und Sie, Frau Sägebrecht glücklicher Single sind. Oder?
MS: Seit 40 Jahren.

Würden Sie das gern ändern?
MS: Ich weiß es nicht. Ich bin schön eingebunden in tolle Freundschaften – sogar mit wilden Hetero-Männern.
UG: Super.
MS: Natürlich habe ich auch meine Gay-Community mit langen, beschützenden, tiefen Freundschaften. Da werde ich stark angenommen und gespiegelt. Es gibt viele Männer, die würden mich vielleicht gar nicht verstehen. Meine philosophische Lebensgrundhaltung, meine Stärke. Ich will mich nicht dauernd hinsetzen müssen und einem Mann erklären, warum ich so denke, das so mache. Ich würde den Mann total annehmen und finde es schwierig, wenn es umgekehrt nicht der Fall ist. Meiner Erfahrung nach tun sich Männer schwer, mich komplett anzunehmen. Bei mir ging es ja spät los. Als meine Tochter verheiratet war, war ich in der Welt unterwegs, als Wanderbärin. Obwohl ich gern zurückkomme, aber dann muss ich wieder raus in die Welt.

Trotzdem sind Sie beide München treu geblieben. Wollten Sie jemals ganz weg?
UG: Nein, nie. Wenn ich wohin müsste, dann nach Hamburg. Nach Berlin würde ich nie gehen wollen. Das ist mir da alles zu ... (seufzt betont laut)
MS: Ja, so aufgesetzt.
UG: Wobei mir in Berlin immer Leute sagen, sie würden nicht verstehen, dass man in München leben kann. Ich antworte dann: und wie! Sehr gut sogar.
MS: Aber hallo. Unterm Kastanienbaum sitzend oder an der Isar, die liebe ich. Ich lebe in Schäftlarn und genieße es sehr, die Isar entlangzuspazieren.
UG: Ich auch.
MS: Vom Fluss zum Strom zum Meer, das ist so ganzheitlich.
UG: Die Isar ist für mich absolutes Heimatgefühl. Wenn ich nur das Wort lese, kriege ich schon fast Gänsehaut. Als Kind war ich nur an der Isar, da habe ich Schwimmen gelernt.
MS: Mein Opa war ja Gärtner und Schamane und meine Urgroßmutter eine Heilerin und Kräuterfrau, von der anderen familiären Seite hab ich bäuerliches Blut. Danke für das gute Casting, sag ich gern zu meinem Schöpfer. Ich liebe die Natur besonders – glaube an die Kraft der Heilkräuter. Welches Kraut ist das beste?
MS: Mein Liebling ist der Spitzwegerich. Auf den wird immer am Wegesrand draufgetrampelt. Leider haben die Menschen die Bitterstoffe total verloren, alle wollen nur Süßes.
UG: Meine Mutter war eine fantastische Gärtnerin, alles, was wir früher an Gemüse gegessen haben, hat sie selbst gezogen. Herrlich. Alles total bio, bevor es bio überhaupt gab.
MS: Mein Arzt lobt mich gern für meine sehr guten Werte. Tja, die müssen ja von irgendwoher kommen.
UG: Wie hieß das Super-Kraut? Spitzwegerich? Das muss ich mir merken. (beide lachen)

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