AZ-Besuch in Langwied Abgfüllt is! Rundgang am neuen Paulaner-Standort

Die AZ hat sich auf dem neuen Paulaner-Gelände in Langwied umgesehen. Die Impressionen zum Durchklicken. Foto: Daniel von Loeper

Paulaner hat seinen neuen Standort Langwied in Betrieb genommen – aber noch hat die Au noch nicht ganz ausgedient.

 

Der Zeitpunkt könnte nicht besser sein. Vier Tage, bevor es auf der Theresienwiese wieder „Ozapft is“ heißt, hat die Paulaner Brauerei gestern ihre neue Abfüllanlage in Langwied in Betrieb genommen.

Hauptgesellschafterin Alexandra Schörghuber drückte den Startknopf und verkündete feierlich: „Abgfüllt is!“ Und schon floss das Bier in Strömen. Unter den 120 geladenen Gästen waren Oberbürgermeister Dieter Reiter und Bürgermeister Josef Schmid. Den kirchlichen Segen gab es mit heiligem Wasser aus Paola, dem Ursprungsort der Paulaner Mönche.

In der neuen Abfüllhalle werden pro Stunde 50 000 Flaschen befüllt

Wenn alles nach Plan läuft, können in der hochmodernen Abfüllhalle 50 000 Flaschen gespült, kontrolliert, befüllt, etikettiert und auf Paletten verstaut werden – pro Stunde! Paulaner wird am neuen Standort künftig 3,5 Millionen Hektoliter Bier brauen und in Fässer, Flaschen und Dosen füllen können. Das sind fast 20 Prozent mehr als am Nockherberg. Rund 300 Millionen Euro kostete der Bau der neuen Brauerei.

Vor der offiziellen Einweihung lud erster Braumeister Christian Dahncke die AZ gestern zu einem Rundgang durch die neue Bier-Produktionsstätte ein. Die Brauereigebäude mit ihren silbrig-grauen, teilweise spiegelnden Fassaden sind schon von weithin sichtbar. Im September 2012 wuchs auf dem 15 Hektar großen Gelände noch Mais. Platzprobleme wie am Nockherberg (8,5 Hektar), gibt es keine. Während die einzelnen Produktionsschritte in der Au auf mehrere Ebenen verteilt werden müssen und Gär- und Lagertanks unterirdisch in 30 Metern Tiefe stehen, laufen in Langwied alle Prozesse oberirdisch ab: von der Anlieferung der Bierzutaten oder dem Leergut bis hin zur Abholung.

Zu Gast auf der Baustelle

Auf dem Gelände herrscht emsige Betriebsamkeit. Alle tragen Helm und grelle Schutzwesten. Noch ist die Brauerei Baustelle. Nicht nur die Bauarbeiter, auch die Braumeister sind derzeit noch in Containern untergebracht. Während ein Laster bereits Malz anliefert, teeren Arbeiter noch eine Verbindungsstraße zwischen zwei Hallen.

Gleich neben der Zufahrt aufs Paulaner-Gelände ist eine unscheinbare Betonwand zu sehen, hinter der sich einer von fünf Tiefbrunnen verbirgt. Hier wird das Gletscherwasser fürs Bier aus 190 Metern Tiefe gepumpt. „Es ist etwa 10 000 Jahre alt und wertvolles Tertiärwasser wie am Nockherberg“, sagt Christian Dahncke. „Es hat dieselbe Qualität“, versichert er. Das Bier soll trotz Umzug genauso schmecken wie bisher. So bleiben die Lieferanten der Rohstoffe dieselben, genau wie die Rezepturen.

 

Komplizierte Logistik

Weiter geht’s zum Logistikgebäude, es ist stolze 28 000 Quadratmeter groß. Davor stehen 150 000 rote Leergut-Tragl im Freien. Das entspricht etwa der Menge, die an 1,5 Tagen im Sommer in der Brauerei voll abgeholt werden, um durstige Kehlen zu löschen. Durchschnittlich fahren täglich 120 Laster vor, um in der Brauerei Leergut zu entladen und Bier wieder mitzunehmen.

Die Sudkessel sind schon heiß

Wir betreten das Herzstück der Brauerei: das Sudhaus. Es ist etwa 40 Grad warm. „Die Hitze ist der Beweis, dass wir in der Produktion sind“, erklärt Braumeister Dahncke. Die Sudkessel sind komplett aus Edelstahl, sie haben keine Kupferhauben mehr. Braumeister Dahncke gefällt’s: „Das ist moderner und stylisher.“

Hinter einer Scheibe in einem klimatisierten Raum sitzen vier Brauer und ein Kesselwärter und überwachen die Produktion. Von Montag bis Freitag wird in drei Schichten gearbeitet. „Vor drei Wochen haben wir den ersten Sud hochgefahren“, berichtet Christian Dahncke. Der Prozess dauert vier Wochen, dann wird noch filtriert. Anschließend wird das erste Bier aus Langwied genau untersucht und von Profi-Verkostern getestet. „Eventuell muss dann noch leicht nachjustiert werden“, sagt der Braumeister. Das jetzige Oktoberfestbier stammt noch vom Nockherberg.

Der größte Kühlschrank Münchens

Der Rundgang geht weiter – in den Gär- und Lagerkeller: 28 Meter ist er hoch und 60 Meter lang. Christian Dahncke bezeichnet ihn als „größten Kühlschrank Münchens“. 65 Tanks à 2800 Hektoliter und 4000 Hektoliter stehen hier. Die Höhe hat Einfluss auf den Geschmack des Bieres. Da die Tanks nicht isoliert sind und das Bier darin auf -1 Grad heruntergekühlt wird, ist’s frostig. Die Qualitätskontrolle, die Befüllung, Leerung und die Reinigung der Tanks wird automatisch geregelt.

Abgfüllt is!

„Der Nockherberg war auf 2,8 Millionen Hektoliter ausgelegt, wir haben ihn überstresst. Hier passen sogar noch mehr rein“, sagt Brauer Dahncke. Der Meister führt seine Besucher abschließend in die Abfüllhalle, wo Alexandra Schörghuber wenig später den Startknopf drücken wird. Auch hier läuft fast alles automatisch ab. In einem 14 Meter breiten Korridor regieren 24 lasergesteuerte „Vehikel“, die tonnenschwere Lasten befördern. Sie stapeln Paletten mit vollen Bierkästen, fahren sie an die Laderampen oder schaffen Verpackungsmaterial heran. Dahncke nennt den Bereich „Todeszone“, für Menschen herrscht hier Lebensgefahr.

Durch die Automatisierung sind viele Arbeitsplätze überflüssig geworden. Zuletzt arbeiteten am Nockherberg noch bis zu 320 Menschen. In Langwied werden es etwa 250 sein. Die Paulaner Brauerei hat ein neues Kapitel in ihrer Geschichte aufgeschlagen. Ein anderes wird geschlossen. Seit 1634 braute Paulaner an seinem angestammten Platz am Nockherberg. Bald wird der Bierfluss dort versiegen, im November wird der letzte Sud in der Au gebraut. Anschließend ist Schluss.

Dann werden die ausgedienten Anlagen verkauft – manche auch verschrottet. Danach folgt der große Abriss.

 

1 Kommentar