AZ auf den Wahlpartys Kritische Stimmen in der CSU: Revolte gegen Seehofer

Wolfgang Stefinger (Mitte), der seinen Wahlkreis im Osten souverän verteidigt hat, feiert mit Parteifreunden im alten Riemer Tower. Foto: privat

Die CSU darf feiern, sie hat überall in München gewonnen. Trotzdem fällt sie unter 30 Prozent. Bei den Wahlpartys gibt es daher offene Kritik am Ministerpräsidenten.

 

München - Als in der CSU-Zentrale in Freimann die ersten Hochrechnungen verlesen sind, wird es still. Sehr still. Wo es vorher noch vereinzelte Jubelrufe gegeben hatte, zum Beispiel für das gute Ergebnis der FDP oder für die hohe Wahlbeteiligung in München, macht sich Schockstarre breit. Eine CSU-Anhängerin kann es gar nicht fassen "12 Prozent AfD? In Bayern?", murmelt sie ungläubig. Ja, auch in Bayern hat die AfD kräftig zugelegt. Während die CSU mit 38,5 Prozent deutlich hinter den Erwartungen zurückgeblieben ist.

Einige hatten es wohl kommen sehen. Der städtische Personalreferent Alexander Dietrich (CSU) zum Beispiel sagt zur gleichen Zeit im Kreisverwaltungsreferat, schon seit Wochen habe er es von den Stammtischen gehört: Viele CSUler wollten diesmal die AfD wählen. Die Münchner CSU-Direktkandidaten waren allesamt nicht zur großen Party mit Horst Seehofer in Freimann gekommen. Sie verfolgten die Ergebnisse lieber im kleinen Kreis – fernab von Kamerateams und Fotografen.

"Merkel oder Seehofer: Wer muss abgestraft werden?"

Das mag auch ein wenig damit zusammenhängen, wie Seehofer-kritisch (und Söder-freundlich) viele Münchner CSUler sind. An diesem Wahlabend auf jeden Fall, als sich das schlechte CSU-Ergebnis abzeichnet, sagen prominente Münchner CSUler Seehofer-kritische Sätze, die es so öffentlich noch nicht gegeben hat. Etwa der junge Bundestagsabgeordnete Wolfgang Stefinger, der seinen Wahlkreis im Osten souverän verteidigt hat und nicht gerade als Lautsprecher bekannt ist. An diesem Sonntag aber sagt Stefinger, der im alten Tower in Riem feiert, relativ unverblümt: "Wir sind alle geschockt über das Abschneiden der AfD. Jetzt diskutieren wir hier, ob dafür die Kanzlerin oder der Ministerpräsident abgestraft werden muss."

Der Münchner Landtagsabgeordnete Robert Brannekämper wird noch deutlicher. Im Kreisverwaltungsreferat sagt er: "Wir haben eh nie verstanden, warum Horst Seehofer so umgeschwenkt ist bei der Kritik an Merkel. Das wird Konsequenzen für ihn haben."

Michael Kuffer, der das Direktmandat im Süden holt, sagt, das Gesamtergebnis sei  "verheerend", es müsse "alles auf den Prüfstand". Kandidat Bernhard Loos (München-Nord) lobt demonstrativ die eigenen Leute im Wahlkreis: "Nur mit euch haben wir den schwierigsten Wahlkreis in ganz Bayern geschafft!"

In der Parteizentrale am Mittleren Ring gibt man sich selbstredend weniger Seehofer-kritisch. Aber auch der Parteichef selbst gibt unumwunden zu: "Es gibt nichts schönzureden. Das Ergebnis ist eine herbe Enttäuschung."

 

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