Autor über Flüchtlingspolitik Thilo Sarrazin: SPD und CDU sind Schuld an der AfD

Thilo Sarrazin (71) fühlt sich bestätigt. Hätte man auf ihn gehört,wäre die AfD nicht so stark, wie sie heute ist, meint der Autor. Foto: dpa

In einem Interview hat sich der umstrittene Autor Thilo Sarrazin über die derzeitige Flüchtlingspolitik und den Aufstieg der AfD geäußert.

 

Berlin – Der Ex-Bundesbank-Vorstand und umstrittene Autor ("Deutschland schafft sich ab", "Europa braucht den Euro nicht") Thilo Sarrazin hat in einem Interview mit der "Bild" in Sachen Flüchtlingspolitik scharfe Kritik an den etablierten Parteien geäußert. Laut Sarrazin sei der Pakt mit der Türkei bem EU-Gipfel von Brüssel zwar ein Erfolg der Kanzlerin, dieser käme aber "ein Jahr und 1,2 Millionen Flüchtlinge zu spät".

Deutschland hätte durch das Abkommen den Konflikt lediglich verlagert und überlasse mit Erdogan und Putin die Grenzsicherung jetzt "Halbdiktatoren", die "traditionell bei der Durchsetzung weniger Skrupel [hätten], als die Länder West- und Nordeuropas".

Die AfD hätte verhindert werden können

Den Erfolg der rechtspopulistischen Partei AfD hätten sich die etablierten Parteien und speziell die schwarz-rote Bundesregierung laut Sarrazin selbst zuzuschreiben.

"2010 und 2012 hatte ich in meinen Büchern 'Deutschland schafft sich ab' und 'Europa braucht den Euro nicht' auf die Risiken einer falschen Einwanderung, eines radikalen Islam und einer verfehlten Politik der Euro-Rettung hingewiesen. Zudem hatte ich Lösungsvorschläge gemacht. Hätten die verantwortlichen Politiker der CDU und SPD diese Analysen ernst genommen und entsprechend gehandelt, so wäre die AfD 2013 gar nicht erst gegründet worden oder hätte zmindest nicht diese Wahlerfolge", so der 71-Jährige zu "Bild".

Die etablierten Parteien ließen bundesweit rechts der CDU ein "heimatloses Wählerpotenzial von 20 - 25 Prozent" liegen, so Sarrazin. Da es keiner Partei außer der AfD momentan gelinge, diesen Menschen eine Alternative zum aktuellen Kurs in der Flüchtlingsfrage zu bieten, schließt er es nicht aus, dass sich die AfD dauerhaft in diesem Spektrum positioniert. Voraussetzung dafür sei aber, dass sich die AfD nachhaltig von rechtsextremen Strömungen distanziere.

 

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