Autobahn-Stützwände Brenner-Unfall: Bayerns Mauern sind 50 Jahre alt

Kurz nach Innsbruck wird der Laster aus München unter Tonnen von Beton und Erde verschüttet. Nur der Kühler ist noch zu sehen. Foto: Zoom Tirol

Das Brenner-Unglück wirft natürlich die Frage auf: Kann das bei uns auch passieren? Erschreckend: Die südbayerischen Wände sind fünf bis 50 Jahre alt.

 

8,7 Kilometer Stützwände oder Stützmauern gibt es entlang der südbayerischen Autobahnen, 20 in Nordbayern. Die Stützwände haben eine Höhe von 1,50 bis acht Meter und sind zwischen 100 und 1000 Meter lang.

Die meisten dieser Stützmauern sind Schwergewichtsmauern und Winkelstützmauern – wie die Unglücksmauer an der Brenner-Autobahn.

Stephan Geuder, Sachgebietsleiter Bauwerkserhaltung der Autobahndirektion Südbayern (zuständig für Schwaben, Oberbayern und Niederbayern), sagt: „So eine Konstruktion mit einem Steinschlagschutz wie am Brenner gibt’s bei uns aber nicht.“

Die Winkelstützwände werden verstärkt seit dem Zweiten Weltkrieg gebaut. Sie bestehen nicht aus Stein oder Stahl wie andere Modelle, sondern nur aus Beton. Die südbayerischen Wände sind fünf bis 50 Jahre alt. Am ältesten sind sie auf der Salzburger Autobahn im Bereich Frasdorf. Geuder sagt, das Alter mache keinen Unterschied bei der Sicherheit. Es komme auf den aktuellen Erhaltungszustand an.

Die Stützwände werden einmal im Jahr von der Autobahnmeisterei durch eine Sichtprüfung kontrolliert. Alle drei Jahre gibt es eine kleine Sichtprüfung der Autobahndirektion, alle sechs Jahre eine große, vergleichbar mit dem Tüv fürs Auto. Dabei stellt ein Ingenieur dann auch Ursachen für Schäden fest.

Geuder: „Wir überwachen unsere Stützmauern so, dass wir davon ausgehen, dass kein Verkehrsrisiko gegeben ist. Ein Restrisiko bleibt natürlich.“

Nach der Brenner-Katastrophe werde es keine Konsequenzen wie verstärkte Kontrollen geben, sagt ein Sprecher des bayerischen Innenministeriums. Die Situation am Brenner lasse sich mit der an den bayerischen Autobahnen nicht vergleichen, sagt Stephan Geuder von der Bauwerkserhaltung: In Österreich würden ganze Berge gestützt, in Bayern dagegen hauptsächlich Böschungen. Stellen mit viel Schmelzwasser, das möglicherweise die Unglückswand am Brenner geschädigt hat, gebe es hier ohnehin nicht.

Die letzte Stützmauer in Oberbayern wurde laut Geuder vor sieben Jahren auf der A8 Richtung München am Irschenberg saniert. Dem Innenministerium sind für die letzte Zeit keine gravierenden Mängel an Stützmauern bekannt.

 

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