AZ-Interview Das sagen Seiler und Speer über ihr drittes Album "Für immer"

Christoph Seiler (links) und Bernhard Speer. Foto: Seiler & Speer

Seiler und Speer geben wieder gemeinsam mit LaBrassBanda ein Konzert in München – aber es dauert noch.

 

Ein One-Hit-Wonder sind Seiler und Speer schon lange nicht mehr. Die beiden Österreicher sind mit ihrem dritten Album "Für immer" in ihrer Heimat auf dem ersten Platz der Charts gelandet und haben auch in Bayern ein Riesenpublikum.

Nach dem sommerlichen Erfolg auf dem Königsplatz mit LaBrassBanda gibt es ab heute schon die Karten für das nächste bayerisch-österreichische Doppelkonzert, das aber erst im Dezember 2020 in der Olympiahalle stattfindet.

AZ: Beim ersten Album haben Sie gesagt: "Scheißegal wie es klingt". Das war aber jetzt nicht mehr der Ansatz, oder?
Seiler: Ich glaube, da hat sich der Maßstab geändert. Aber ehrlich, das zweite Album ist das schwierige, jetzt beim dritten ging alles locker flockig.
Speer: Also wenn man es beim dritten Album noch nicht kapiert hat, dann kann man einpacken.

Sie wissen ja jetzt, dass sie "für immer" Musiker bleiben werden, aber einen klaren Stil haben sie nicht definiert.
Seiler: Also das Album ist stilistisch sehr gemischt und auch relativ nachdenklich. Das war jetzt halt die Phase, es kann aber ruhig mal wieder ein fetziges Album kommen.
Speer: Live spielen wir schon mit einem Blasquartett, die machen ordentlich Druck. Aber eigentlich hat das vor allem steuerliche Gründe, damit wir mehr absetzen können.

Speer: "Wir machen, was wir wollen"

Aha, das Album ist ja auch teurer und aufwändiger produziert.
Seiler: Zumindest haben wir mehr ausgegeben als früher. Das war damals schon sehr sparsam produziert, aber wir hatten halt kein Geld, wir kommen von der Straße.

Auf ihrer Homepage gibt es T-Shirts mit dem Aufdruck "Austropop", das bedeutet doch eigentlich nichts, oder?
Seiler: Das bedeutet gar nichts, aber man weiß schon mal die Himmelsrichtung. Wir bedienen auch kein Genre, der rote Faden ist der Dialekt bei uns. Musikalisch haben wir Rap, Reggae, Balladen, wir können sowieso machen, was wir wollen.
Speer: Wir machen ja auch, was wir wollen.

Man sieht bei einigen Songs ja geradezu die leuchtenden Handys in der Halle.
Speer: Die Überlegung war ein Album zu machen, bei dem du nicht skippen musst, dass Du Dir beim Bügeln halt komplett anhörst.
Seiler: Ja wer halt gern bügelt! Also ich bügel eh nicht.

So kam es zur Zusammenarbeit mit Wolfgang Ambros

Wie kam es dazu, dass Wolfgang Ambros einen Song singt?
Seiler: Wir kennen den Wolfgang ja jetzt schon länger, weil sein Sohn unser Schlagzeuger ist. Und es wäre vermessen gewesen, wenn wir uns nicht musikalisch mit ihm verewigt hätten. Den Song habe ich geschrieben, nachdem mein Großvater gestorben ist – und dann wussten wir nicht, was wir damit machen sollten. Dann haben wir den Wolfgang gefragt und der hat die Nummer wirklich perfekt ergänzt.

Das Lied, was wir jetzt nicht mehr erwähnen wollen…
Seiler: "Ham kummst"...

… könnt ihr wahrscheinlich selbst nicht mehr hören.
Speer: Du wirst es aber hören müssen, ich habe vorhin aus dem Auto schon die Zelte vom Oktoberfest gesehen.

Waren Sie mal dort?
Seiler: Im vergangenen Jahr, da haben wir Promointerviews für das Konzert am Königsplatz gegeben. Ich war innerhalb von zwei Stunden so dermaßen betrunken...
Speer: Na, nicht zwei Stunden, zwei Mass.
Seiler: Nach zwei Mass bin ich doch nicht betrunken! Ich hab‘ schon meine vier Mass gebraucht.

Seiler: "Traumhaftes Konzert" am Königsplatz

Wenn man außerhalb von Österreich vor 20.000 Menschen auf dem Königsplatz spielt, hat man dann das Gefühl, man hat es gepackt?
Seiler: Wir waren ja gerade auf Tournee, das heißt du steigst in den Nightliner ein, steigst aus und spielst und steigst wieder ein. Da ist alles ähnlich.

Das ist der schönste Platz, den wir zu bieten haben!
Seiler: Das war schon ein bisschen mickrig, ich bin auch ein bisschen enttäuscht. Nein, das war ein traumhaftes Konzert.

Verstehen die Fans euch in Deutschland?
Speer: Wir machen immer den Vergleich mit dem Eros Ramazzotti, da singen die Fans mit, ohne Italienisch zu können.
Seiler: Der Vergleich hinkt.

Sie sind schöner?
Seiler: Das liegt auf der Hand, das würde ich gar nicht erwähnen. Aber so viel pilgern doch gar nicht mehr zum Ramazzotti.

Speer: "Wir müssen jetzt nicht die Oma anbetteln"

Ihr Album ist nicht politisch, ist das eine bewusste Entscheidung?
Seiler: Politik ist doch sowieso zum Marketing verkommen, oder zum Kabarett. Du wirst den ganzen Tag überflutet mit Hetzereien, das möchte ich doch nicht auch noch in der Musik haben. Jeder, der uns kennt, kennt unserer politische Einstellung.
Speer: Ich möchte unsere Musik nicht instrumentalisieren.
Seiler: Sagen wir es so: Der Hans Söllner hat schon Recht mit dem, was er macht. Aber er macht das auch schon seit der Stunde Null. Und den Rest macht doch die Politik selbst: Der Strache rappt, dreht Videos, lebt Sex & Drugs & Rock‘n‘Roll. Wir sind doch eh bald arbeitslos.

Was verdient man eigentlich dadurch, dass sich 38 Millionen Menschen bei Youtube "Ham kummst" angesehen haben?
Speer: Null. Wenn wir selbst uns was anschauen, dann nervt uns die Werbung. Und wir wollten die Menschen nicht mit Werbung quälen. Im Nachhinein gesehen…
Seiler: Wurscht. Wir hatten auch so eine Käuferschaft.
Speer: Wir müssen jetzt nicht die Oma anbetteln.

Haben Sie noch ein Ziel?
Speer: Wir haben schon lange unsere Träume übererfüllt.

Wie kommt man eigentlich auf die Idee, als Merchandising-Produkt ein so grausliges Badehandtuch anzubieten, wie Sie es tun?
Seiler: Das war nicht die Idee des Managements, das ist von uns ausgegangen. Wir wollten damit zum Ausdruck bringen, dass uns alles egal ist. Wir haben schon häufiger extra so Sujets entworfen, die aussehen, als seien sie billige Kopien auf der Kirta.
Speer: Wir haben früher T-Shirts ins Publikum geworfen und hatten da so eine Challenge, wer am weitesten kommt. Dann kam ich auf die Idee, dass wir Seiler und SpeerFrisbees anbieten. Die gibt es immer noch, aber das Werfen haben wir eingestellt, nachdem ich drei Mal Leute abgeschossen habe.

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Seiler und Speer spielen mit LaBrassBanda am 18. Dezember 2020 in der Münchner Olympiahalle

 

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