Australian Open Becker und Djokovic: Zwei Champions im Mittelpunkt

Boris Becker und sein Schützling Novak Djokovic. Foto: dpa

18 Jahre nach seinem letzten Titel in Melbourne ist Boris Becker zurück auf der Grand-Slam-Bühne. Beim Erstrundensieg seines Schützlings Novak Djokovic waren alle Augen auf die deutsche Tennis-Legende gerichtet.

 

Melbourne – Boris Becker hatte sich schick gemacht für seine Rückkehr auf die Grand-Slam-Bühne. Noch am Nachmittag hatte er im leuchtenden Schlabber-Shirt neben Novak Djokovic auf dem Trainingsplatz gestanden. Beim Erstrundensieg des Titelverteidigers saß er nun im schwarzen Polohemd und frisch geduscht in der Box der Rod-Laver-Arena. Als Headcoach, der die Blicke der Weltöffentlichkeit auf sich zieht, steht Becker in der Pflicht.

Dabei will die deutsche Tennis-Ikone von so viel Aufmerksamkeit gar nichts wissen. "Djokovic hat heute gespielt, nicht Becker", sagte der 46-Jährige nach dem ersten offiziellen Match an der Seite des Weltranglistenzweiten. Djokovic gewann den Auftakt der Australian Open gegen den Slowaken Lukas Lacko (6:3, 7:6, 6:1), die Begegnung verkam jedoch schnell zur Nebensache.

Die Tennis-Welt dreht sich in Melbourne nicht mehr nur um den viermaligen Titelträger, der in der Millionenstadt am Yarra-River seit nunmehr 22 Spielen ungeschlagen ist. Becker, selbst zweimaliger Champion in Australien, rückt mehr und mehr in den Mittelpunkt und ist überzeugt von sich und seinen "Methoden".

"Wenn zwei Grand-Slam-Sieger miteinander reden, gibt es wenig Gegenargumente", sagte Becker. In der Umkleidekabine gelten noch immer die alten Regeln: "Wenn jemand vorbeikommt, der mal die Nummer eins war, dann wird ihm Platz gemacht. Das bedeutet 15:0 für den Spieler." So einfach ist das.

In der Zweckgemeinschaft mit dem Serben geht es laut Becker "um Taktik, um Psychologie". Es geht um die Spielchen, die verborgen vor dem Licht der Öffentlichkeit hinter den Kulissen oder in den Köpfen der Spieler stattfinden. Becker war auf dem Platz ein Meister dieser Spiele, Djokovic ist es auch daneben. Der 26-Jährige hat sich einen mächtigen Verbündeten ins Boot geholt, Becker spricht vom "Power-Team".

Djokovic ist einer der besten Einzelsportler der Welt, nun lebt er im "Wir". "Wir sprechen halb englisch, halb deutsch miteinander", erzählte er, "wir haben in den letzten vier Wochen hart gearbeitet. Hoffentlich können wir weit kommen in diesem Turnier".

Weit gekommen ist er in den vergangenen Jahren auch ohne Becker, zumindest sportlich. Den medialen Gipfel in der weltweiten Tennis-Show hat er nun an Beckers Seite vor Augen. Das Duo bestimmt die Schlagzeilen, sogar für die Kombinationen Edberg/Federer und Lendl/Murray bleibt nicht mehr viel Aufmerksamkeit übrig.

Allerdings ist Djokovic Profi genug, um zu wissen, dass erst am 26. Januar, dem Tag des Endspiels in Melbourne, abgerechnet wird. Ohne seinen vierten Titel in Folge wird die Partnerschaft mit Becker infrage gestellt werden. Auch für seine sportliche Entwicklung hat Djokovic allerdings Spezialisten. Am Dienstag wird er seinen Trainer Marian Vajda anrufen und sich dann auf die zweite Runde gegen den Argentinier Leonardo Mayer vorbereiten.

 

0 Kommentare