Ausstellung im Stadtmuseum Von Gastarbeitern, Flüchtlingen und ihrem München

Italienische Gastarbeiter in ihrer Baracke. Foto: Stadtarchiv

Eine neue Ausstellung im Stadtmuseum wirft einen Blick auf die Migration von 1945 bis heute – und beleuchtet auch die Debatten darum.

 

München - Samir steht, stolz und schüchtern zugleich, vor dem großen Weihnachtsbaum am Marienplatz. Das Foto entstand 2015, als der junge Mann als Flüchtling aus dem Iran hierhergekommen war. Das Bild ist nun Teil der Dauerausstellung "Typisch München" im Stadtmuseum.

Samir ließ sich immer wieder mit seinem Smartphone vor Münchner Sehenswürdigkeiten fotografieren und stellte die Bilder dem Museum zur Verfügung. Denn unter dem Motto "Migration bewegt die Stadt. Perspektiven wechseln" integriert das Stadtmuseum jetzt jene Aspekte der Geschichte, die Münchens Tradition als Einwanderer-Metropole beleuchten.

Fast vier Jahre Arbeit stecken in der Ausstellung

Damit will das Haus auch der Tatsache gerecht werden, dass heute 400.000 Münchner Bürger einen ausländischen Pass besitzen und 200.000 einen Migrationshintergrund im weiteren Sinne haben. Das Ergebnis der fast vierjährigen Arbeit eines vierköpfigen Kuratoren-Teams wurde am Donnerstag im Stadtmuseum vorgestellt.

In Zusammenarbeit mit dem Stadtarchiv und zahlreichen Stadtteil-Institutionen wurden Depots und Archive nach Exponaten und Dokumenten durchforstet. Und zugleich der Aufruf gestartet, Objekte, die über das Persönliche hinausgehend Geschichte erzählen, ans Haus abzugeben. Man habe sich im Wesentlichen auf die "Aufarbeitung der Migrationsbewegungen seit 1945" konzentriert, so Stadtmuseums-Direktorin Isabell Fehle.

Der Rundgang beginnt logischerweise mit dem Kapitel "Ankunft": Hier trifft man nicht nur auf Samir am Marienplatz und ein Willkommens-Schild vom Hauptbahnhof 2015, sondern auch auf Aufnahmen aus den 1960er Jahren, als am Gleis 11 die Gastarbeiter aus Italien, Griechenland, Jugoslawien und der Türkei ankamen.

Ob die Ziegelbauten der 1920er Jahre oder das Olympiagelände – ohne Arbeitskräfte aus dem Ausland wäre weder das eine noch das andere errichtet worden.

Auch Glaubenskämpfe haben in München Tradition

Die 15 neuen Stationen erkennt man auf den ersten Blick daran, dass sie auf gelben Baugerüsten in die Dauerausstellung eingefügt sind. Eine Gestaltungsidee, die das aktuelle Thema als "Work in Progress" symbolisieren soll und von der Münchner Ausstellungsarchitektin Juliette Israel umgesetzt wurde.

Da wird das Modell für das geplante Begegnungszentrum des Münchner Forum für Islam, dessen Realisierung derzeit auf Eis liegt, – so viel Zuspitzung darf in diesem Haus schon sein – im Kreuzfeuer der Gegenreformation präsentiert: Unter den Augen des erzkatholischen Gegenreformators Kurfürst Maximilian I. und der vier Putten von der Mariensäule, die Ketzerei und Unglauben besiegen sollen – Glaubenskämpfe haben in München eben leider auch Tradition.

Wortwitz: Mixed-Media-Installation "Migrantenstadl" 

Zwischen den Träumen Ludwigs I. vom Isar-Athen wiederum steht jetzt das griechische Haus an der Bergmannstraße im Westend, kulturelle Anlaufstelle für die große griechische Gemeinde. "Warum erregt eine Arbeitskraft mit Kopftuch keine Anstoß, eine Kopftuchträgerin, die Lehrerin werden will, schon?"

Tunay Önders und Imad Mustafas Mixed-Media-Installation "Migrantenstadl" schließlich bringt mit pointiertem Wortwitz Desiderate auf den Punkt. Das zeigt auch die Tatsache, dass von den vier Mitgliedern des Projekt-Teams keiner einen Migrationshintergrund hat. Dabei betonen diese den Charakter als "partizipatives Projekt", das ohne die engagierte Mitwirkung der "Migrations-AkteurInnen" nicht möglich gewesen wäre.

Darum ist die Schau auch nur halb so spannend ohne das umfassende Begleitprogramm. 


Buchungen unter fuehrung.stadtmuseum@muenchen.de – die Ausstellung läuft noch bis 29. Dezember, Dienstag bis Sonntag, jeweils 10 bis 18 Uhr.

 

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