Ausstellung im Kunstpavillon Grenzen überqueren, Zwischenräume füllen

Erinnerungen und Trauma einer seiner Kindheit und die Verbindung zum Vater arbeitet Doron Polak in seiner Kunst auf. Foto: Kunstpavillon/ho

Streifen ziehen sich durch die Performances des israelischen Künstlers Doron Polak. Sein Werk wird ab sofort im Kunstpavillon im Botanischen Garten ausgestellt.

Nymphenburg - Streifen als Wege, als Grenzen auf einer Landkarte. Oder auf einer Nationalflagge. Streifen auch als Schienen, worauf volle Züge fahren. Streifen auf Strafgefangenenanzügen. Symbolhafte Begriffe, die Doron Polak, international agierender Künstler, Kunstproduzent und Kurator aus Israel mit dem viel bedeutenden Wort assoziiert.

In seiner Performance, die den ersten Abschnitt des neuen Projekts im Kunstpavillon füllt, rückt die Verbindung zwischen ihm, seinem Körper und dem Körper seines der Vernichtung entronnenen Vaters in den Mittelpunkt, während die Erinnerung an das Trauma im Rahmen der eigenen Familie, im Zuge der Generationen wie auch in ihrer heutigen Wirkung analysiert wird. Daraus entsteht ein endloser Dialog über die Spuren und die Folgen des Krieges.

Zwei Videos der in Berlin und Tel Aviv lebenden Künstlerin Norma Drimmer, in denen sich die Verbindung zwischen Körpern und Eisenbahnschienen eindrucksvoll materialisiert, begleiten die Darbietung. Norma Drimmer gehört zu der Künstlergruppe an, die Doron Polak in den letzten fünf Jahren begleitet haben.

Die Empfindungen und Gedanken dieser mit unterschiedlichen Medien arbeitenden Kunstschaffenden gehen in eine facettenreiche Multimedia-Schau über, in der sich die komplexen Ergebnisse ihres Experimentieren zeigen. So die Bilder des Fotografen Eitan Vitkon, der Doron Polak bis nach Riga folgte, wo seine ganze Familie ausgelöscht wurde, oder Shalom Neumans sensible Papierfaltboote mit Bleistiftzeichnungen, die die Shoah thematisieren. Dazu noch die Aufnahmen des jungen Ran Shevi, auf denen Reaktionen auf Bilder einer verschollenen Familie festgehalten wurden, deren Körper sich - unzertrennlich geworden - aneinander drücken wie auch Roni Ben Aris Videos mit sozialkritischem Inhalt.

Nähe und Verdrängung, Berührung und Körperbeherrschung nehmen schließlich Gestalt in den Bildern von Polaks engstem künstlerischen Partner Michael Lazar an, in denen Körper und Erde wechselseitig als Sinnbilder für Leben und Tod stehen.

Die Werkschau ist dem vor einem Jahr allzu früh verstorbenen Münchner Künstler Stefan Moritz Becker gewidmet, der großen Einfluss auf Polaks vorausgegangenem Projekt „Bodies“ ausübte. Zum Gedenken an dem verlorenen Freund wird zum ersten Mal ein ebenso von Norma Drimmer und Amir Cohen gemeinsam gedrehtes Video vorgeführt.

Was? Ausstellung "Zwischen Streifen - Between Lines"

Wann? 25. April bis 11. Mai, Dienstag bis Samstag: 13 bis 19 Uhr, Sonn- und Feiertage: 11 bis 17 Uhr, montags geschlossen

Wo? Kunstpavillon, Sophienstraße 7a

 

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