Ausgesetzt am Flughafen Findelkind Franzi darf bald zu neuer Familie

Das Münchner Jugendamt hat jetzt die Vormundschaft für Baby Franzi übernommen. Foto: dpa

Dem Flughafen-Baby, das vor zwei Wochen in einer Besuchertoilette ausgesetzt wurde, geht es besser – das Jugendamt bereitet jetzt den Umzug in eine liebevolle Adoptivfamilie vor.

 

München - Seit genau zwei Wochen ist die kleine Franziska auf der Welt. Geboren wurde das Baby mit den dunklen Haaren unter widrigsten Umständen: auf einer Toilette im Flughafen – von einer Mutter, die es nicht wollte. Doch jetzt gibt es gute Nachrichten. Das Findelkind hat sich seinen Platz ins Leben erkämpft und sich gut erholt. Franzi konnte inzwischen von der Intensivstation auf die Säuglingsstation verlegt werden. Bereits in sechs Wochen könnte sie bei Adoptiveltern ein liebevolles Zuhause finden.

Tagelang hatte das Personal in der Haunerschen Kinderklinik um das Leben des ausgesetzten Babys gekämpft. Wie berichtet, war das neugeborene Mädchen am 30. Juli von einer Zeugin im Parkhaus P20 entdeckt worden. Der Säugling lag im kalten Wasser einer Kloschüssel, die Nabelschnur hing noch an seinem Bauch. Das Baby war stark unterkühlt und nicht mehr bei Bewusstsein.

Seine Mutter war weg. Erst später wurde die Frau durch einen Zeugenhinweis von der Polizei ermittelt. Mittlerweile sitzt die Erzieherin (23) aus Baden-Württemberg wegen versuchter Tötung in U-Haft. Franzi kam auf die Intensivstation ins Haunersche Kinderspital.

„Findelkind, 45 Zentimeter, 3500 Gramm“, stand über ihrem Wärmebettchen. Das Baby wurde in ein künstliches Koma versetzt.

Nach einer Woche meldeten die Ärzte, Franzi mache gute Fortschritte. Ob sie bleibende Schäden davongetragen hat, kann derzeit allerdings noch niemand einschätzen.

Mittlerweile hat das Stadtjugendamt die Vormundschaft übernommen. Die Mitarbeiter bereiten nun alles dafür vor, dass Franzi in die Geborgenheit einer Familie bzw. eines Paares kommt. „Sobald sie entlassen wird, kommt Franzi zu einer Bereitschaftspflege. Dann beginnt die Anbahnung zu potenziellen Adoptiveltern“, erklärt Frank Boos vom Sozialreferat.

Bis Franzi dort einzieht, müssen acht Wochen nach der Geburt vergangen sein. Sollte sich bis dahin Franzis Vater melden und das Sorgerecht beanspruchen, müsste er erst psychologisch begutachtet werden. Boos: „Das Wohl des Kindes hat oberste Priorität.“

In München gibt es derzeit 68 vom Jugendamt überprüfte Paare, die sich ein Adoptivkind wünschen. Rechtskräftig wird eine Adoption frühestens nach einem Jahr, wenn das Vormundschaftsgericht einen Beschluss erlässt. Ab diesem Tag erlöschen alle bisherigen Verwandschaftsverhältnisse: Dann wäre Franzis leibliche Mutter laut Gesetz nicht mehr ihre Mutter.

 

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